Savage Island

Der Untertitel und die Tatsache, dass dieser Film keine Jugendfreigabe hat, deutet schon die Richtung an, in die es geht: in die eines Horrorfilms, dessen Laufzeit von einigen Leichen gepflastert ist.

Julia und Steven fahren zusammen mit dem neugeborenen Kind Alex zu Julias Eltern und Bruder, der Familie Young, die auf einer einsamen Insel wohnt. Julias Vater plant, dort ein großes Ferienparadies einzurichten, sehr zum Missfallen der eigentlichen Einwohner. Diese leben seit Generationen, mittlerweile jedoch dezimiert auf eine inzestuöse Familie, in hinterwäldlerischer Art und Weise in einer Hütte auf der Insel und wollen ihre Ruhe behalten. Die beiden Parteien bringen sich weder Toleranz noch Verständnis entgegen, doch als Julias Bruder Peter bekifft und ohne eingeschaltete Scheinwerfer mit dem Auto durch das Unterholz brettert, geschieht ein Unglück, das die schon lange schwelende Katastrophe zum Ausbruch bringt: Peter fährt vermeintlich ein Tier an und hält nicht einmal an, um nach ihm zu sehen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Unfallopfer jedoch um den jüngsten Sohn der Hinterwäldlerfamilie Savage, der so schwer verletzt wird, dass er keine Chance zu überleben hat. Die Savages gehen am Folgetag zum Haus der Familie Young und fordern als Entschädigung für ihr totes Kind das von Julia und Steven. Man verweigert ihnen die Herausgabe von Alex und die Familie Young beschließt vorausschauend, die Insel besser schnellstmöglich zu verlassen. Doch die Katastrophe nimmt ihren Lauf …

Der Film von Jeffery Scott Lando stammt aus dem Jahr 2003, doch erinnert er stark an Horrorstreifen der Siebziger, allen voran an Wes Cravens “The hills have eyes“, der noch 2006 als Neuverfilmung und mit dem übersetzten Titel “Hügel der blutigen Augen“ in den Kinos lief: Zwei völlig unterschiedliche Parteien treffen aufeinander, bei denen ein Konsens von vornherein ausgeschlossen ist, und die von Anfang an gezeigte Attitüde entscheidet letztlich über Gewinner, Verlierer und “Geläuterte“.

Angenehm fallen bei “Savage Island“ vor allem die Hinterwäldler auf. Diese sind nicht so mutiert oder entstellt, dass man sie sogleich als Schrecken der Insel identifizieren könnte. Gerade durch ihre so schlichte Art, die durch klare Regeln und tatsächlich auch ein klar erkennbares soziales Gefüge akzentuiert wird, geraten die Savages nicht schlicht zu den “Bösen“, jedoch ebenso wenig zu den bedauernswerten Kreaturen. Diese Tatsache gemischt mit dem Ansinnen des Familienoberhauptes der Youngs, die Natur zu Gunsten eines Tourismuszieles anzugreifen, was eher Antipathie beim Zuschauer hervorrufen könnte, lässt die bestehenden Fronten durchweg realistisch erscheinen und die Frage des Identifikationspotenzials und der letztlichen Sympathieträger praktisch bis zum Ende ungeklärt.

Dass “Savage Island“ zu Recht keine Jugendfreigabe bekam, liegt wohl eher nicht an ausgesprochen blutigen und detaillierten Szenen. Vielmehr ist der gebotene Horror ein stellenweise erschreckend realistischer, auch wenn an vielen Stellen des Films unverkennbar ist, dass es sich hierbei um eine Low Budget-Produktion, ein recht typisches B-Movie, handelt.
Unterstützt wird die realistische Atmosphäre durch die Bilder selbst, bei denen fast die gesamte zweite Hälfte des Films grob gekörnte und wie durch ein Nachtsichtgerät wirkende schwarzweiße Aufnahmen vorherrschen. Diese Suggestionen erinnern vage an die Amateurkameras aus “Blair Witch Project“, der bekanntermaßen zu großen Teilen aus Art und Führung der Kamera sein Potenzial gewann.

Das Schauspiel ist für eine Produktion geringen Budgets insgesamt sehr positiv, und mit Don S. Davis, der vielen Zuschauern spätestens durch die “Stargate“-Serie als Lieutenant General George Hammond bekannt sein dürfte, anderen jedoch bereits aus Filmen wie “Needful Things“ oder der Serie “Twin Peaks“, ist sogar ein recht bekanntes Gesicht mit von der Partie.

Horror unterstützende Kameraführung, gutes Schauspiel, eine interessant aufbereitete Handlung – also wirklich eine gute Horrorfilmproduktion? Nicht ganz, denn mit allzu viel Logik darf man an manche Szenen des Films nicht herangehen und schon gar nicht alles hinterfragen. Doch selbst in diesem Punkt kann der Zuschauer ein Auge zudrücken, immerhin haben auch die eingangs erwähnten Filme der siebziger Jahre die konsequente Logik nicht immer gepachtet – macht auch nichts, denn der Film funktioniert, er wirkt, er bleibt lange im Gedächtnis.

Zusammen mit über zwanzig Minuten langen untertitelten Interviews, Audiokommentaren des Regisseurs, des Tonteams und der Schauspieler, Textbiografien und dem Angebot alternativen Artworks ist dieser Film durchaus empfehlenswert – und auf eine realistische Art sehr böse.

Manfast

Im Süden der USA leben vier Frauen zusammen in einer WG, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine unnahbar, die andere furchtbar naiv, die nächste gefangen im ständigen Auf und Ab ihrer Beziehung und die letzte schließlich völlig unselbstständig.
Zusammen unterhalten sie ein Magazin, das sich jedoch schlecht verkauft. So schlecht, dass die jungen Frauen sich schließlich verschuldet der Pleite gegenüber sehen. Dann jedoch hat eine ihrer Freundinnen die rettende Idee: Sie versucht, die WG-Mitglieder für ihr Diplomprojekt zu gewinnen, das mit 25.000 Dollar finanziert wird. Der Nachteil: Die feierfreudigen und den Männern sehr zugetanen Damen müssen auf Männer verzichten, und das hundert Tage lang. Dabei ist nicht nur Sex verboten, sondern schon der Small Talk. Dennoch lassen sich die Frauen auf das Experiment ein.
Zunächst igeln sie sich in der WG ein und das Projekt läuft hervorragend. Erste Hürden sind zu nehmen, als den Frauen eröffnet wird, dass sie dennoch ihren Alltag beibehalten, arbeiten, feiern, einkaufen gehen sollen – nur dürfen sie selbst bei letzterem mit keinem Mann sprechen.
Echte Probleme tauchen jedoch erst auf, als eine Million Dollar darauf ausgesetzt werden, die Damen zum Unterbrechen des “Männerfastens“ zu bringen. Noch schlimmer, als ein Foto auftaucht, auf dem Tyler, eine aus der WG, zu sehen ist, wie sie einen Mann küsst. Gegenbeweise fehlen und Tyler ist schrecklich enttäuscht von dem Mann, in den sie sich verliebt hatte, ohne auch nur ein Wort mit ihm zu sprechen …

“Manfast“ ist eine seichte Komödie. Ein bisschen Schnulze, eine Prise Selbstfindung, ein Hauch Medienklamauk, ein Löffelchen Feminismus. Genau das ist es auch, was den Film letztlich zu einem nicht wirklich sehenswerten macht.
Potenzial aus allen vorgenannten Bereichen hätte der Film zweifellos gehabt, aber alle Ansätze dazu wurden nicht weiterverfolgt, sondern praktisch schon konsequent nur Augenblicke später wieder ausgeblendet.

Nur wenige Charaktere sind als eine Art Persönlichkeit zu bezeichnen, die meisten sind überspitzt dargestellt und Glaubwürdigkeit scheint von vornherein kein zwingendes Kriterium gewesen zu sein. Da gibt es die Vorzeige-Emanze der Frauenförderung, die WG-Damen, die erst durch ihr “Fasten“ erkennen, dass sie unabhängig von Männern Wert und Persönlichkeit haben (können), und auch die Männer kommen, abgesehen von Jeremy Sisto, der sich in diesem Film in Tyler verliebt, nicht sonderlich gut weg, sondern bilden durchweg das Klischee des hormongesteuerten und debilen Urzeitmannes – immerhin sind die Klischees somit also auf beiderlei Geschlechter verteilt worden.

Wer nach seichter Unterhaltung sucht, deren Handlung locker-flockig vor sich hinplätschert und Klischees sowie zahlreichen Logikfehlern und Konsequenzmängeln nicht abgeneigt ist, der mag zugreifen, alle anderen verbringen neunzig Minuten sicherlich ansonsten besser.

Mean Creek

Aus den USA und dem Jahre 2004 stammt dieses Drama über und für Jugendliche.

Sam (Rory Culkin) wird von George (Josh Peck), einem dicken und aggressiven Jungen aus recht wohlhabendem Haus, regelmäßig verprügelt. Irgendwann reicht es Sams Bruder Rocky (Trevor Morgan) und er beschließt, George zusammen mit seinen Freunden einen Denkzettel zu verpassen. Ihn umgekehrt zu verprügeln, hält Sam für falsch, und so hecken die Jungen einen ganz besonderen Streich aus: George soll zu Sams angeblichem Geburtstag eingeladen und zu einer Bootsfahrt mitgenommen werden. Fernab der Zivilisation wollen sie ihn durch das Spiel “Wahrheit oder Pflicht“ dazu bringen, sich auszuziehen – um ihn dann nackt ins Wasser zu stoßen und so nach Hause zu schicken, während sie selbst zurückfahren.
Unterwegs wird jedoch immer offensichtlicher, dass George nicht grundsätzlich der Aggressor ist, für den die Jungen ihn gehalten haben. Er ist allein, hat zwar viel Geld für Spielzeug, aber keine Freunde. Der Neid anderer auf seine Besitztümer – George hat beispielsweise eine eigene Digitalkamera – und die Tatsache, dass George dick und nicht sonderlich clever ist, machen ihn einsam und sein aggressives Verhalten braucht er als schützenden Panzer.
Ausgehend von Sams Freundin Millie (Carly Schroeder) sprechen die Jungen sich erneut ab und beschließen, den Plan fallen zu lassen. Nur Marty (Scott Mechlowicz) ist nicht damit einverstanden, George ungeschoren davonkommen zu lassen, willigt aber schließlich halbherzig ein.
Nach einer Weile auf dem Fluss kommt jedoch die Wahrheit ans Tageslicht. George erfährt, dass Sam gar nicht Geburtstag hat und die anderen gestehen ihm auch ihre ursprünglichen Absichten. George fühlt sich erneut verraten und rastet aus – es kommt zu einer Tragödie …

Jeder hat als junger Mensch Probleme, die besonders groß und unüberwindbar erscheinen. Die Protagonisten dieses Films machen dabei keine Ausnahme.
Georges Probleme wurden bereits beschrieben. Sam leidet unter George und ist nervös, weil die Bootsfahrt auch sein erstes Rendezvous mit Millie ist – die ihrerseits nicht weniger nervös ist. Rocky will seinen Bruder schützen, der ebenfalls anwesende Clyde, gespielt von Ryan Kelley, wird gehänselt, weil er bei seinem schwulen Vater und dessen Freund aufwächst. Marty hingegen lebt in einer rauen Umgebung. Sein Bruder kümmert sich um ihn, doch die beiden haben häufig Differenzen und der Vater der beiden nahm sich das Leben, was Marty noch immer nicht verwunden hat.
Und diese explosive Mischung aus verletzten Gefühlen, Sorge und Wut sitzt in diesem Film also im wahrsten Wortsinn in einem Boot … das kann nicht gut ausgehen – und das tut es auch nicht.

Negativ ist vor allem der Schluss des Filmes zu bewerten. Während sich die meiste Zeit über eine latente Spannung aufbaut und hält, fällt diese zum Ende hin abrupt ab und im Grunde wird der Zuschauer letztlich vor ein offenes Ende gestellt, bei dem er sich mehrere Schluss-Szenen selbst ausdenken kann und muss, enttäuschend.

Auch das Zusatzmaterial, das neben einer Trailershow lediglich eine Storyboard-Galerie bietet, ist nicht erwähnenswert.

Der Film wendet sich vor allem an Heranwachsende, die sich am ehesten in die Probleme der Hauptfiguren hineindenken können. Hilfreich dabei ist die wirklich hervorragende schauspielerische Leistung der jungen Darsteller.

Durch den starken Spannungsabfall zum Ende hin ein leider nur durchschnittliches Werk, das sich auch nicht durch weitere Extras aus der Menge der Filme, auch des dramatischen Genres, herauszuheben vermag.

Durchgeknallt

Der Film, der nach dem bereits besprochenen Buch gedreht wurde, war erstaunlich erfolgreich. Es geht um “Durchgeknallt – Girl, Interrupted”.

Der Erfolg des Films, Angelina Jolie bekam für die Darstellung der Lisa sogar einen Oscar als beste Nebendarstellerin, ist vor allem deshalb so überraschend, weil es im Grunde keine nennenswerte filmische Handlung gibt, anders also als beispielsweise bei “A beautiful mind”, der ebenfalls eine psychische Erkrankung im Fokus hat, aber eben einen klaren Verlauf, eine deutliche Geschichte und Absicht verfolgt. Gut, darum hat “A beautiful mind” wohl auch vier Oscars statt einem eingeheimst.

“Durchgeknallt” ist ähnlich tagebuchartig wie Susanna Kaysens gleichnamiger Roman, und so sieht man Susanna, gespielt von Winona Ryder, auch immer wieder mal in ihrem Tagebuch schreiben. Durch diesen Stil geht es im Grunde auch weniger um die Entwicklung der Protagonistin, auch wenn der Film mit ihrer Einweisung in die Klinik beginnt und mit ihrer Entlassung endet, sondern es handelt es sich um eine Art Charakterstudie.
Dabei steht nicht einmal nur Susanna als Borderline-Diagnostizerte im Mittelpunkt, sondern auch die Soziopathin Lisa (Angelina Jolie) und die Magersüchtige Daisy, ebenso wie die anderen Patientinnen der Station, die allesamt eine wirklich gute schauspielerische Leistung abliefern, auch wenn Größen wie Vanessa Redgrave als Leiterin der Einrichtung und Whoopi Goldberg als Krankenschwester eher im Hintergrund bleiben.

Der Film zeigt vier Dinge besonders gut: Die Wackligkeit der – heutzutage – Modediagnose Borderline, gerade im Hinblick auf die 60er Jahre, für die die gesellschaftliche und politische Lage, die im Film am Rande Raum erhält, durchaus relevant sind, Psychiatriealltag in den 60er Jahren, die Dynamik einer psychiatrischen Station und zuletzt, dass ein solcher Film fast nur mit Frauen durchaus auch Brisanz zeigt und spannend ist.
Tatsächlich ist Jared Leto in einer Nebenrolle der einzig erwähnenswerte männliche Darsteller im Film.

Interessant ist auch, dass der Film auf dem Buch basiert, Buch und Film aber dennoch unabhängig voneinander exstieren können und sich sehr gut ergänzen.

Arsène Lupin

Maurice Leblanc schuf Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mit Arsène Lupin eine Romanfigur, die sich größter Beliebtheit erfreut und in zwanzig Büchern Leblancs im Mittelpunkt steht. Arsène Lupin ist eine Figur, die es sogar schon auf die Theaterbühne schaffte – und zum Film, denn zu Lupin entstand sogar schon ein Stummfilm. Im Mittelpunkt dieses Artikels hier steht jedoch der 2004 entstandene Film von Regisseur Jean-Paul Salomé, der frei ab sechzehn Jahren als DVD bei Sunfilm Entertainment veröffentlicht wurde.

Arsène Lupin erlebt als kleiner Junge mit, wie sein Vater Théophraste als Dieb abgeführt werden soll. Sein Vater kann entkommen, doch in einer Nacht- und Nebelaktion kehrt er zurück und bittet den Sohn um Mithilfe bei einem Raub. Der Junge kommt der Bitte nach und stiehlt so erstmals schon im Kindesalter etwas von hohem Wert. Am Tag darauf findet man allerdings die Leiche seines Vaters – ein schwerer Schlag für Arsène, der seinen Vater bewundert.

Als Erwachsener ist Arsène schließlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Er ist ein Meisterdieb, überall bekannt, doch auch gefürchtet, denn Arsène Lupin wird wegen Mordes gesucht. Unbekannt ist dabei zumeist, dass Arsène einem strengen Kodex folgt. Er mordet nicht, er stiehlt – ähnlich Robin Hood – nur von denen, die den Reichtum ‚übrig’ haben, er bestiehlt niemals zwei Male dieselbe Person.

Eines Tages begegnet Arsène der geheimnisvollen Joséphine, und diesmal raubt nicht er in erster Linie ein weibliches Herz, sondern sie das seine. Zusammen mit Joséphine will Arsène das Geheimnis dreier legendärer Kreuze entschlüsseln, um so zu unvorstellbarem Reichtum durch einen Schatz zu gelangen.
Doch Arsène Lupin wird stets von den Schatten seiner Kindheit verfolgt …

Obwohl der Film eine Laufzeit von über zwei Stunden hat, bietet er relativ wenig Raum für Details. Arsène Lupin, dargestellt von Romain Duris, ist hier Meisterdieb, doch seine mit der Zeit erworbene Bildung bleibt – anders als in den Romanen – im Verborgenen. Es entsteht somit ein eigenständiges Bild des charmanten Diebs, das sich von den Romanvorlagen entsprechend lossagt. Davon abgesehen aber verfliegt die Zeit des Zuschauens wie im Flug und am Ende ist der Zuschauer nicht nur traurig, weil er Zeuge eines Dramas wurde, sondern auch, weil der Film schon ein Ende gefunden hat. Noch viele Stunden mehr hätte man sich Arsène Lupins Machenschaften angesehen und ihn dabei näher kennen gelernt, hätte gern seinem Glück mit Clarisse, dargestellt durch Eva Green, beigewohnt und mehr über die geheimnisvolle Joséphine, durch Kristin Scott Thomas verkörpert, erfahren.
Ungern lässt man die großartigen Aufnahmen, zu denen wirklich imposante Landschaftsaufnahmen gehören, ein Ende nehmen und verzichtet auf die gut gewählten Kamerapositionen und das wundervolle Ambiente.

Zum Glück bietet die DVD als Extra einen Audiokommentar des Regisseurs, was einem gleich eine gute Erklärung dafür bietet, warum man den Film gleich noch ein zweites Mal anschauen mag – oder vielleicht auch noch ein drittes Mal wegen der französischen Tonspur?

„Arsène Lupin“ ist ein Film, der einfach Spaß macht, der sehr hochwertig abgedreht wurde und dessen Potenzial auf DVD voll erhalten blieb. Er spricht zudem alle Emotionen an: Liebe, Freude, Leidenschaft, Hass, Trauer, Enttäuschung, Wut … sie alle und noch mehr sind in diesem Film zu sehen – und in einer Nebenrolle übrigens auch Matthieu Carrière.

Yin & Yang im Allgäu

Regisseur Andreas Pichler, der 2004 für seinen Film „Call me Babylon“ den Adolf Grimme-Preis erhielt, hat sich mit “Yin & Yang im Allgäu” nach Ottobeuren im Allgäu gewagt. Seit 2003 arbeitet die dortige Kreisklinik mit Ärzten aus dem chinesischen Nanjing zusammen. In der mit der Kreisklinik verzahnten TCM-Klinik (TCM = Traditionelle Chinesische Medizin) arbeiten zwei Ärzte aus China ein Jahr lang und werden dann von zwei anderen Ärzten abgelöst. Hintergründe zu dieser Zusammenarbeit, zur TCM, zur Akzeptanz der Patienten und einiges mehr bieten die fünf Folgen der Dokumentationsreihe mit je 27 Minuten auf dieser DVD.

Die einzelnen Folgen sind nicht als unabhängig voneinander zu sehen, sondern ergeben mit einer Gesamtlänge von über zwei Stunden ein Gesamtwerk. Lediglich die einzelnen vorgestellten Patienten und ihre Geschichte beschränken sich vornehmlich auf jeweils eine Folge, wobei am Ende einer jeden eines der Hauptthemen der folgenden Episode vorgestellt wird.
In der ersten Folge stehen ein junger Mann mit Drehschwindel und Übelkeit sowie eine alte Frau mit Schmerzen als Folge eines verpfuschten Armsbruchs im Mittelpunkt. In der zweiten Folge lernen die Zuschauer einen an metastasierendem Leberkrebs leidenden ehemaligen Allgemeinmediziner und eine alkoholabhängige Lehrerin kennen. In der dritten Folge sind die vornehmlich vorgestellten Patienten ein übergewichtiger Gastwirt und Metzger mit chronischen Kopfschmerzen und ein Familienvater, der an Multipler Sklerose leidet, und in der vierten Folge kommt ein an Heuschnupfen leidender Junge hinzu. Die fünfte und letzte Folge stellt keine neuen Patienten vor, sondern befasst sich vielmehr mit der Abreise der chinesischen Ärzte in ihre Heimat und der Ankunft der beiden neu in Ottobeuren tätigen Ärzte aus Najing.

Die Dokumentationsreihe ist grundsätzlich sehr ausgewogen. So lernt der Zuschauer nicht nur verschiedene Krankheitsbilder und Patienten unterschiedlicher Altersgruppen kennen, die alle mit TCM behandelt werden, sondern erhält darüber hinaus auch einen Einblick in die Therapie an sich. Leider überwiegt die Darstellung der Akupunktur. Zwar wird auch umfangreicher auf die beiden Hauptdiagnostiktechniken, Puls- und Zungendiagnostik, eingegangen, doch weitere Säulen der TCM – Diätetik nach den fünf Elementen, Kräutertherapie, Schröpftherapie und Moxibustion – werden nur am Rande oder gar nicht erwähnt. Dies ist insofern besonders schade, weil ohnehin mit der TCM fast automatisch Akupunktur verbunden wird und diese Therapie tatsächlich auch die einzige ist, bei der Patienten auf die Unterstützung der Therapie durch die Krankenkasse hoffen können. Dieser Umstand wird im Film von einem Patienten auch angesprochen, die Chance der Dokumentationsreihe, genau diesen Umstand jedoch näher zu beleuchten und genauer auf die Erfolge der TCM unabhängig von der Akupunktur einzugehen, wurde jedoch leider nicht genutzt. So bleibt nur der Blick auf die Bandbreite der TCM bei verschiedensten Krankheitsbildern und die Andeutung einiger therapeutischer Techniken sowie die Aussage eines Patienten, dass die Therapie aus der eigenen Tasche längerfristiger kaum bezahlbar ist (im Film ist die Rede von 45€ je Sitzung bei 10-20 mindestens nötigen; tatsächlich schwankt die Anwendung der TCM in Deutschland etwa zwischen 30-70€ je Sitzung, wozu Tabletten, Kräuter und ähnliches in der Regel noch zugerechnet werden müssen).

Die Dokumentation wirft allerdings nicht allein einen Blick auf die Patienten und deren Therapie, sondern zeigt auch recht anschaulich, wie die chinesischen Ärzte sich in Ottobeuren einleben und ihre Zeit in Deutschland verbringen. Sprachschwierigkeiten, unterschiedliche Lebens- und Essensgewohnheiten und das Vermissen der eigenen Familie, die während des Aufenthaltes in China bleibt, sind solche Themen. Nicht alles ist jedoch kritisch oder gar negativ zu sehen; vielmehr überwiegen die positiven Aspekte des Aufenthaltes und die der Zusammenarbeit. Dennoch wird beispielsweise der Unwillen der Gäste aus China zur Dokumentation von Ottobeurer Seite angerissen und bemängelt. Man erklärt diesen Umstand so, dass die Ärzte aus China sich nicht „in die Karten“ gucken lassen wollen. Auch hier war Regisseur Pichler um Ausgewogenheit bemüht und zeigt ebenso, dass den chinesischen Ärzten schlicht das Verständnis für die Zeit raubende Dokumentation fehlt, zumal sie sich auch sprachlich erst anpassen müssen, allerdings fällt auf, dass bei der Übergabe an die neuen Kollegen Aktenordner voller Daten existieren – also wurde doch dokumentiert? Hinzu kommt, dass der Kritikpunkt Dokumentation ein einseitig beleuchteter ist. Man spricht in deutschen Krankenhäusern gern von Qualitätssicherung, Pflegeplanungen und umfassender Dokumentation, die Realität – die allerdings wohl nur jene genau kennen, die in diesem Umfeld arbeiten – sieht jedoch ganz anders aus. Es handelt sich also mitnichten um ein Problem, das sich aus der Zusammenarbeit mit fremdländischen Ärzten ergibt, sondern vielmehr um ein alltägliches an deutschen Krankenhäusern, bei dem Wunschdenken und Realität oft relativ weit voneinander entfernt sind.

Die Extras zur DVD können sich sehen lassen: Es gibt ein Interview mit dem Chefarzt Dr. Pflederer aus Ottobeuren, eine Bildergalerie sowie zwei mit Texttafeln realisierte Extras mit den Themen „Besuch beim chinesischen Arzt“ und „Zwei Chinesen im Allgäu“. Des Weiteren enthält die DVD eine Powerpoint-Präsentation, die über den PC gestartet werden kann und fünfzig Folien zum Thema enthält.
Auch die Extras kommen jedoch nicht ganz ohne Kritikpunkte aus. So zeigt das (wohl telefonisch geführte?) Interview mit Dr. Pflederer ein nervig ruckelndes Hintergrundbild, das sehr verpixelt ist und die Texttafeln, die der ARTE-Webseite entnommen wurden, sind weitgehend überflüssig, wenn man die Dokumentationsreihe gesehen hat, da sie in erster Linie Wiederholungen enthält. Titel und Einleitung von „Besuch beim chinesischen Arzt“ lassen zudem vermuten, dass potenzielle Patienten Informationen und Hilfestellungen durch die Texttafeln erhalten können, was letztlich jedoch nicht der Fall ist.
Empfehlenswert ist vor allem die Powerpoint-Präsentation von Dr. Kurfürst aus Ottobeuren, die sich inhaltlich jedoch ebenfalls eher an Leute richtet, die sich die Dokumentation bereits angesehen haben oder aus anderen Gründen über Basiskenntnisse verfügen. Es fehlt einfach der Vortrag zu den Stichworten. Dennoch beinhaltet die Präsentation zahlreiche erklärende Aspekte aus der TCM und geht deutlich mehr in die Tiefe, als dies bei der Dokumentationsreihe der Fall ist.

Insgesamt ist „Yin & Yang im Allgäu“ eine wirklich empfehlenswerte Dokumentationsreihe zum Thema, die durch die Musik von Ingo Frenzel, der bayrische und chinesische Klänge ausgezeichnet miteinander mischte, noch einmal lebendiger wirkt. Pichler hat eine ausgewogene Dokumentation geschaffen, die leider, vermutlich auf Grund der zur Verfügung stehenden Zeit, nicht allzu sehr in die Tiefe der TCM vorstößt, dafür aber einige interessante zwischenmenschliche und organisatorische Einblicke bietet.

Möwengelächter

“Möwengelächter” ist ein Roman der isländischen Autorin Kristin Marja Baldursdóttir mit dem isländischen Originaltitel „Mávahlátur“. Im folgenden geht es in erster Linie um die Verfilmung dieses Romans, wobei es aber Bezüge zum Buch gibt.

Das Mädchen Agga lebt bei ihren Großeltern. Ebenfalls im Haushalt leben Aggas Großtante und ihre Tanten Dodo und Ninna. Das kleine Haus im ebenso kleinen isländischen Fischerort ist also prall gefüllt, als plötzlich noch Besuch vor der Tür steht: Freya aus Amerika, ebenfalls eine Tante Aggas, ist zurückgekehrt und wird mit offenen Armen in dem überfüllten Haushalt aufgenommen.

Doch Agga ist misstrauisch. In Freya sieht das Mädchen das Böse, und Agga ist weit davon entfernt, in Freya die Göttin zu sehen, die die anderen Damen des Haushalts und vor allem die Männer im Ort in Freya zu erkennen glauben. Agga hingegen ist überzeugt davon, dass Freya nur deshalb schon Witwe ist, weil sie ihren amerikanischen Mann auf dem Gewissen hat. Auch am Tod des Gatten von Freyas Freundin, der bei einem mysteriösen Hausbrand ums Leben kommt, trägt Freya laut Agga auf jeden Fall die Schuld. Aggas Vorwürfe verhallen jedoch, denn niemand, auch nicht ihr Freund Magnus, der als Polizist arbeitet, glaubt ihr.

Zu allem Überfluss verliebt Freya sich schließlich auch noch ausgerechnet in Björn Theódór aus gutem Hause, sehr zum Leidwesen dessen Familie und der eigentlich für Björn ausgesuchten Gattin. Doch Freya setzt sich durch, zumindest sieht es fürs Erste so aus …

„Möwengelächter“ ist eine isländische Geschichte, die sicherlich in erster Linie auch für isländische Leser gedacht war. So kommt es, dass der Film, der sich sehr dicht an die Vorlage hält und nicht wenige Dialoge komplett übernommen hat, für einen Zuschauer, der Island, seine Geschichte und sein Wesen, nicht kennt, schwierig einzuordnen und zu verstehen ist.

Buch und Film erzählen die Geschichte einer bestimmten Lebensart, einer bestimmten Zeit und der Probleme, die in dieser Zeit vorherrschend waren. Verrät das Buch einiges über politische Hintergründe und die Engpässe in der Versorgung, denen man mit Rationierung zu begegnen versuchte, laufen solche Aspekte beim Film eher nebenher. Größeres Gewicht wird auf die Emanzipation der Frauen zu einer Zeit, in der dieser Begriff noch nicht geprägt war, gelegt, bei denen Freya als Vorreiterin gelten soll. Die Ausarbeitung dieses Aspekts in der Filmfassung ist allerdings auch nicht völlig sauber gelungen, da aufgrund des Zeitmangels beim Film (hinsichtlich der Gesamtlaufzeit) die Auswirkungen von Freyas Anwesenheit und Tun auf die anderen Frauen des Haushalts nicht immer klar erkennbar sind.

Einen wirklich großen Fehler hat man sich allerdings bei der Ankündigung des Films geleistet. „Eine Liebesgöttin, ein kleines Mädchen und viele dämonische Frauenzimmer. In ein und demselben Haus.“, so ist es auf der DVD-Hülle zu lesen, und die weitere Beschreibung des Films zeigt „Möwengelächter“ als Tragikomödie „mit wundervollen Bildern der weiten isländischen Landschaft, einer Portion nordischer Mythen und vor allem viel Humor“.
Durch diese Beschreibung entsteht ein Eindruck, der den Film eher irgendwo im fantastischen Bereich ansiedelt, der jedoch schlichtweg völlig falsch ist. Die Spitzzüngigkeit und der daraus resultierende Humor des Buches schaffte den Weg nicht in die Filmumsetzung, so dass eher von einem Drama als von einer Tragikomödie gesprochen werden kann. Von dämonischen Frauenzimmern und nordischen Mythen kann ebenfalls nicht die Rede sein, denn es handelt sich um völlig normale Frauen und die Erwähnung von Mythen bezieht sich lediglich auf die Frage, ob Freya bei ihren nächtlichen Spaziergängen wohl mit den Feen tanzt und auf den Vergleich von Freya mit der Elfenkönigin aufgrund einer Schauspielaufführung.

Das Schauspiel der Darsteller ist allerdings durchwegs positiv und authentisch zu bezeichnen, wobei vor allem Margrét Vilhjálmsdóttir in ihrer Rolle als Freya Tribut zu zollen ist, auch wenn vor allem deutsche Zuschauer sich über Heino Ferch in der Rolle des Björn Theódór sicherlich freuen dürften.

Auch bei Bild und Ton gibt es keinerlei Mängel zu beklagen, beides ist durchweg sauber und scharf, die Extras der DVD lassen hingegen leider zu wünschen übrig. Zwar gibt es eine Personenübersicht und der Regisseur teilt seine Gedanken zum Film mit, doch beides sind nette Gimmicks ohne Tiefgang, die nicht helfen, den Film richtig einzuordnen und besser zu verstehen. Zumindest mehr Informationen zur isländischen Zeit und Entwicklung, zur Gesellschaft und zur Buchvorlage, wären sinnvoll gewesen.

Wer die isländisch-britisch-deutsche Produktion aus dem Jahr 2001 mit den Maßstäben misst, die der DVD-Verpackung zu entnehmen sind, wird sicherlich enttäuscht werden. Wer sich hingegen für realistische Dramen mit Anspruch und gute Buchumsetzungen interessiert, der dürfte Gefallen an „Möwengelächter“ finden.

Wire in the blood: Hautnah – Die Methode Hill

Val McDermid ist eine schottische Krimiautorin, die mittlerweile mit drei Buchserien Erfolge feiert. Eine dieser drei Serien ist es, auf deren Basis „Wire in the Blood“, die TV-Serie, entstand, die im Deutschen eigentlich „Hautnah – Die Methode Hill“ heißt. Die ersten beiden Folgen der TV-Serie basieren direkt auf Titeln Val McDermids.
Die ersten drei Folgen erschienen im Februar 2007 als Mini-Box bei Epix, mittlerweile sind auch die zweite und dritte Staffel erhältlich.

Folge 1: Das Lied der Sirenen (The Mermaids Singing):
Polizistin Carol Jordan bittet den umstrittenen Psychologen Tony Hill auf eigene Faust bei den Ermittlungen gegen einen Mörder um Hilfe. Hill ist nicht sonderlich beliebt, weil er ein mit sich selbst sprechender und allzu ehrlich und frei heraus denkender Mann ist, vor allem aber, weil er regelmäßig Straftäter in der Psychiatrie und im Gefängnis besucht und über Jahre hinweg weiter betreut, eine Beziehung zu ihnen aufsucht und sich sogar von ihnen berühren lässt. Seine Art, mit der er Psychopathen besser verstehen können will, stößt nicht gerade auf Verständnis, auch wenn ihm bisherige Erfolge Recht geben.
Im aktuellen Fall geht es um ermordete Männer. Kaum ist Hill in den Fall einbezogen worden, stirbt ein dritter Mann: ein Polizist. Nur unwillig akzeptiert die Polizei Hills klare Annahme, dass es sich um einen Serientäter handelt und die Emotionalität, die mit der Ermordung des Polizisten in das Revier Einzug hält, ist nicht gerade förderlich für die Ermittlungen.
Hill gibt Hinweise, erstellt ein Profil, denn als Profiler ist er schließlich bekannt, allerdings scheinen manche Aspekte der Morde keinen Sinn zu ergeben. Hill gibt nicht auf, doch wird er die Lücken schließen können, bevor es weitere Opfer gibt?

Folge 2: Schlussblende (Shadows Rising):
Eine Mädchenleiche wird in einem See gefunden. Wieder wird Tony Hill zu den Ermittlungen hinzugezogen, wobei es zunächst nicht so aussieht, als könne er in diesem Fall weiterhelfen. Dies ändert sich jedoch rasch, als eine weitere Leiche entdeckt wird und sich das Profil eines Serienkillers herauskristallisiert. Doch was treibt diesen Mörder an und natürlich vor allem: Wer ist er?
Parallel zu diesen Entwicklungen befassen sich Carol Jordan und Tony Hill mit einem Stalker, der Amanda Vance, den weiblichen Part eines bekannten TV-Moderatorenehepaars, verfolgt. Auch hier spitzt die Lage sich empfindlich zu, als es auch hier zu Todesfällen kommt, bei denen Amandas Hund nur das erste Opfer ist …

Folge 1: Mein ist die Rache (Justice Painted Blind):
Als seine junge Frau tot in einem Waldstück aufgefunden wird, erinnert die Art des Todes in manchen Details empfindlich an einen mehrere Jahre zurückliegenden Mord an einem elfjährigen Mädchen. So zögert man nicht, Tony Hill zu den Ermittlungen hinzuzuziehen, um den Fall möglichst rasch lösen zu können. Die Polizei sieht sich unter einem großen Druck, denn der Angeklagte im Mordfall des jungen Mädchens wurde damals frei gesprochen, wogegen sich die Öffentlichkeit empört hatte. Als nun mit der Toten im Wald ein scheinbar ähnlicher Mordfall bekannt wird, gehen die Menschen davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt: um den Mann, der schon vor Jahren nach Meinung der Öffentlichkeit fälschlich als unschuldig entlassen wurde.

Die Begeisterung von Lesern und Fernsehzuschauern an Krimiserien ist ungebrochen, aber schon lange sind dabei Serien besonders gefragt, die auf eine besondere Weise an die Thematik herangehen. Ein erfolgreiches Beispiel für solch eine Serie ist „CSI“ (von der ich ebenfalls Fan bin bzw. von CSI: Las Vegas), bei der durch akribische Untersuchungen schließlich Mörder gefunden werden, doch auch die Profiler-Komponente erfreut sich wachsender Beliebtheit, so dass ein Protagonist wie Tony Hill offene Türen beim Publikum einrennt.
Obwohl die Serie also vordergründig zunächst einmal mit dem Trendwasser fährt, weist sie spezifische Elemente auf: Hills Eigenarten, die schon für sich genommen psychisch auffällig wirken, wenig auf Menschen des üblichen Umfelds ausgerichtet sind, und durch seine Methoden, etwa das Nachstellen von Opferszenen mit der eigenen Person, Selbstgespräche und Zwiegespräche mit den Mördern, Rollenspiele und derlei, wirkt Tony Hill wahrhaft außergewöhnlich. Dabei ist das, was dem Zuschauer als exotisch präsentiert wird, keinesfalls so seltsam, wie es wohl auf die meisten wirkt, sondern vieles wird im Alltag von Psychologen, Psychiatern, Pädagogen und anderen durchaus angewendet, eingesetzt und geübt.
Dennoch: Gerade der Charakter Tony Hills ist es, der bei dieser Serie unwahrscheinlich fesselnd wirkt.

Dargestellt wird der kauzige Psychologe von Robson Green, und dies auf eine durchweg authentisch wirkende Art und Weise. Green verkörpert alles für diesen Charakter Nötige sehr professionell und wirkt obendrein nicht nur auf Kollegin Carol Jordan, ebenfalls lebendig gespielt von Hermione Norris, auf eine besondere Art attraktiv.

Wer Krimiserien mag und sich dort auch für „Exoten“ interessiert, für Psychologen, Profiler und eben auch Serienkiller, der ist mit „Hautnah – Die Methode Hill“ oder eben „Wire in the Blood“ sehr gut beraten und kann sich rundum gut unterhalten fühlen. Der des Öfteren angestellte Vergleich zur Serie „Für alle Fälle Fitz“ hinkt jedoch, denn Fitz und Hill verkörpern völlig unterschiedliche Menschentypen, arbeiten völlig unterschiedlich und aus gänzlich verschiedenen Motivationen heraus, außerdem können die Folgen von „Wire in the Blood“ auch gut für sich allein stehen, während in „Für alle Fälle Fitz“ viel Privates, das sich im ständigen Wechselspiel befindet, eine größere Rolle einnimmt.

Man hat sich bei „Wire in the Blood“ nicht nur erfolgreich darum bemüht, dass die einzelnen Episoden für sich stehen können, sondern jede Folge weist zudem unterschiedliche Effekte auf, so dass es gelingt, den Zuschauer auch abseits der vorgestellten Handlung zu überraschen. Besonders gelungen zeigt sich dies in der dritten Folge, in der wiederholt laut eingehämmerte Buchstaben auf einer Schreibmaschine sowie Zeichnungen des – unbekannten und noch zu ermittelnden – Mörders eingeblendet werden.

Bei der DVD-Box wären mehr Extras als Biografien auf Texttafeln und den üblichen Trailern wünschenswert gewesen, auch wenn die drei Folgen mit knapp dreißig Euro für etwa 285 Minuten Laufzeit zu einem fairen Preis zu haben sind.

Volcano

“Volcano” spielt in Los Angeles und behandelt einen Vulkanausbruch mitten in der Stadt.

Der Chef der Notfallzentrale, Mike Roark (Tommy Lee Jones) hat eigentlich Urlaub und seine Teenie-Tochter Kelly bei sich, mit der er einiges unternehmen will. Doch so wirklich entspannen kann Mike doch nicht, und als einige Arbeiter nahe der Teergruben bei den Arbeiten an einem U-Bahn-Schacht verbrennen, ist er in Alarmbereitschaft. Die hinzugezogene Seismologin Amy Barnes weist Mike auf seismologische Aktivitäten hin, doch die Möglichkeit, mitten in L. A. von Magma bedroht zu werden, ist Mike zu abstrakt. Und dann bricht mitten in der Stadt doch ein Vulkan aus und der Lavastrom fließt schließlich auch noch in die Richtung des Krankenhaus, in dem alle Verletzten primär untergebracht wurden …

“Volcano” ist ein Film für Genrefreunde, das muss ich vorweg schicken, auch wenn ich selbst diesen Film schon unzählige Male gesehen habe und ihn gern immer wieder sehe. Dieser Film ist derart “typisch amerikanisch”, das manch ein Zuschauer sich voller Grauen abwenden wird.

Tatsächlich reitet der Film arg im Meer des Pathos. So gibt es selbstverständlich entsprechende Episoden, in denen Schwarz und Weiß ihre Vorurteile gegeneinander pflegen und später doch Hand in Hand arbeiten, ganz zu schweigen vom Ascheregen, der Menschen aller Hautfarben auf eine Ebene stellt, nämlich die graue.

Realismus ist auch eine begrenzte Sache bei “Volcano”. Einige Details sind sehr realistisch, viele jedoch überzogen, dem Zuschauer und seiner Vorstellungskraft zuliebe abgewandelt und schließlich auch der Handlung zuliebe sind die Möglichkeiten, der Lava zu begegnen … gedehnt.

Und trotz dieser durchaus gravierenden Negativaspekte kann “Volcano” durchaus punkten. Die Bildgewalt ist enorm und man sieht praktisch nicht, dass hier mit Animationen gearbeitet wurde. Nein, man glaubt, diesen Vulkan gäbe es wirklich – sehr beeindruckend!

Ein Chef der Notfallzentrale, der alles andere hintenan stellt und sich mitten im Getümmel und der Gefahr bewegt, um den Einwohnern von L. A. beizustehen, eine Seismologin, die nicht nur hilfreich mitten in der Gefahr steht und dabei einen kühlen Kopf bewahrt, sondern sich auch noch um die persönlichen Belange des Notfallzentralenchefs kümmert (;)), eine Ärztin, die ihre Ehe aufs Spiel setzt, lieber Notfälle behandelt und selbst inmitten der Gefahr steht, als sich kleinen Wehwehchen zuzuwenden … und dann natürlich noch ein junger Teenie, der durch die Katastrophe Verantwortungsbewusstsein entwickelt und ihren Egoismus zugunsten jüngerer Kinder opfert.

Wie schon geschrieben: Sicherlich ein Genrefilm, der nicht jedermanns Sache ist, aber dafür ein bildgewaltiger mit guter Besetzung. Ein Popcornfilm mit jeder Menge Action, denn viel Anlaufzeit braucht “Volcano” nicht.

Supervulkan

Unter dem Yellowstone-Nationalpark befindet sich eine riesige Magmakammer. Für die Erhebung und Auswertung seismologischer Daten sind die Wissenschaftler des Yellowstone Volcano Observatory unter der Leitung von Rick Lieberman verantwortlich. Immer wieder kommen Gerüchte über einen drohenden Ausbruch der Lavamasse in den Medien auf, die von den Wissenschaftlern entkräftet werden müssen. Ausgerechnet sein Schwager ist jedoch zugleich Ricks größter Gegner, wenn es um die Gefahreneinschätzung geht. Während Rick äußerst vorsichtig mit Aussagen über einen möglichen Ausbruch oder gar die mögliche Entstehung eines Supervulkans umgeht, tritt sein Schwager gern in den Medien auf und verkündet, die Entstehung eines Supervulkans im Yellowstone Park sei längst überfällig.
Verschiedene Erdbeben und schließlich auch Unglücksfälle seismologischer Natur lassen die Medien und somit die Menschen immer unruhiger werden, doch Rick will keine Panik schüren und hält sich weiterhin bedeckt. Als er endlich bereit ist, einen Ausbruch und möglicherweise sogar die Entstehung eines Supervulkans zu verbreiten und damit die Menschen zu warnen, schiebt ihm die Regierung einen Riegel vor und zwingt ihn im Gegenteil zu der öffentlichen Erklärung, es bestünde keinerlei Gefahr durch vulkanische Aktivitäten.
Und dann bricht ein Vulkan nach dem anderen im Nationalpark aus und das Horrorszenario nimmt seinen Lauf: Ein Supervulkan entsteht, vernichtet große Teile der USA und hat globale Auswirkungen.

Dieser zweistündige Film ist wie bereits erwähnt als Docufiction angelegt. Eingangs heißt es: “Dies ist eine wahre Geschichte – sie ist nur noch nicht passiert.” So wechseln sich Spielfilmsequenzen (die auch überwiegen) mit Interviews vermeintlicher Experten (nämlich mit den Charakteren aus dem Spielfilm rückblickend, Jahre nach der Katastrophe in Yellowstone) ab.
Die Mischung der Interviewpartner ist dabei recht interessant, denn sie besteht aus Wissenschaftlern, Politikern und einigen Privatleuten. Natürlich ist somit bei einigen Leuten klar, dass sie die Entstehung des Supervulkans überlebt haben und entsprechend bangt man im Spielfilm selbst nicht allzu intensiv um sie, doch werden manche Charaktere auch außen vor gelassen bei den Interviews oder kommen erst sehr spät zum Zug, was im Hinblick auf die Vorhersehbarkeit des Films sehr gelungen ist.

Im Mittelpunkt des Films stehen – für einen Katastrophenfilm – gar nicht mal so sehr Bildgewalt und Zerstörungswut, sondern vielmehr die unterhaltsame Vermittlung wissenswerter Fakten. Die Welt der Politik und der Medien spielen hierbei ebenfalls eine große Rolle und man hat sich bemüht, die Ambivalenz dieser Bereiche entsprechend darzustellen. Somit ist “Supervulkan” zu einem Film geworden, der sich nicht auf Schwarzweißmalerei beschränkt – ein weiterer Pluspunkt für diesen Film.

Ein bisschen überflüssig sind die Extras der DVD. Jeweils 30 Minuten lang wird über die “Anatomie einer Zeitbombe” und die “Anatomie eines Desasters” berichtet, wobei die Beiträge zu den Interviewsequenzen des Films selbst doch sehr redundant sind.

Wer sich für Vulkane interessiert und den Schwerpunkt nicht unbedingt bei Effekthaschereien setzt, für den ist “Supervulkan” auf jeden Fall ein empfehlenswerter Film, denke ich.

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