Lexi M. B.: Meine Lifetime-Challenge

An einer Kritik für “Die Ohnmächtigen” von Boris N. Strugatzki habe ich mir Anfang 2007 die Zähne ausgebissen, und das aus einem ganz simplen Grund: Ich wollte beschreiben, dass ich diesen Roman als typisch russisch empfand. Dafür hätte ich zahlreiche Textstellen zeigen können, aber ich habe es nicht hinbekommen, diesen Eindruck anders zu formulieren und zu umschreiben. Wie sehr mich das gewurmt hat, sieht man schon allein daran, dass ich mich heute, Jahre später, noch genau daran erinnere. Kunststück, denn ich habe sehr viel darüber nachgedacht.
In den nächsten Monaten ging mein Blick immer wieder beobachtend durch meine Bücherregale, und ich stellte immer deutlicher fest, fast nur US-Autoren im Schrank zu haben und demzufolge auch zu lesen. Das wollte ich ändern, wollte mehr Titel aus anderen Ländern lesen, wollte zumindest in kleinem Rahmen herausfinden, was nun typisch ist an russischer, italienischer, japanischer und sonstiger Literatur.
Daraus entstand die Lifetimechallenge (ein Wettstreit, für den man sein Leben lang Zeit hat also) bei Bookcrossing.

Ich beschloss, dass ich für jedes Jahr ein Land “erlesen” wollte, also aktuell, im Alter von 33 Jahren, 33 Länder. Da auch eine Lifetimechallenge ein irgendwie halbwegs realistisches Ziel haben sollte, legte ich fest, dass fünf Titel eines Landes ein Land als erlesen gelten lassen, wobei ein Autor jeweils nicht häufiger als zwei Male vorkommen darf.

Zu Anfang hatten nur wenige Leute Interesse, an dieser Challenge teilzunehmen, aber die Zahl stieg immer weiter an. Heute sind es fast fünfzig Teilnehmer und mehr als 2000 Bücher, die im Rahmen dieser Challenge von den Teilnehmern als gelesen vermeldet wurden.

Die Eintragungen der Titel wurden zeitlich schnell zu einer recht intensiven Angelegenheit, so dass ich die Eintragungen seit Mai 2008 nicht mehr selbst vornehme. Zwischenzeitlich hat ein Freund von mir das Ganze auch auf ein Datenbanksystem umgestellt, wie man nebst Regelwerk zur Challenge, Leseinspirationen und Co. auf der Challenge-Webseite – http://tanjaweb.opwiki.org – sehen kann.

Seit drei Jahren gibt es die Challenge nun schon, und was mich angeht, so war sie definitiv einer meiner guten Einfälle im Leben. Natürlich hat noch niemand alle nötigen Länder erlesen und was mich selbst betrifft, so habe ich gerade mal zehn Länder “abgeschlossen”, aber es macht sehr viel Spaß, sich mit der Challenge auseinanderzusetzen.
Natürlich waren Deutschland, Großbritannien und die USA ratzfatz abgehakt (so geht es fast allen Teilnehmern), dicht gefolgt von Österreich und der Schweiz, aber davon abgesehen achtet man mit der Zeit immer weniger auf Klappentexte als viel mehr darauf, wo der Autor des Buches geboren wurde und aufgewachsen ist. Gemeinsam diskutiert man im Bookcrossing-Forum auch “Problemfälle” wie Wladimir Kaminer, Franz Kafka, Ilja Trojanow und andere und befasst sich durchaus auch politisch mit Literatur, wenn es beispielsweise darum geht, ob Tibet separat zählen sollte.

Mir persönlich hat die Challenge schon wahnsinnig viel gebracht und ich freue mich stets über Neuentdeckungen und tatsächlich auch darüber, wenn mir wieder einmal auffällt, dass ich mittlerweile etwas besser benennen kann, was für mich persönlich typisch russisch, japanisch, italienisch … ist.
Mittlerweile lese ich durchaus in erster Linie wieder Titel nach Interesse, aber schon jetzt sind es nicht mehr nur die US-Autoren, sondern vor allem auch französische und russische Schriftsteller, die meine Bücherschränke breichern.

Lexi M. B.: Bookcrossing – Boxen, Xerptings & OBCZ

Ein paar Features von Bookcrossing erkläre ich an dieser Stelle mal genauer:

OBCZ

OBCZ steht für “Open BookCrossing Zone”, auch “Offizielle Bookcrossing Zone”.

In der Regel handelt es sich hierbei um ein Regal, eine Kiste oder ähnliches an einem öffentlichen Ort, zumeist innerhalb eines Lokals, Jugendtreffs oder ähnlich.

OBCZ befinden sich dauerhaft an einem Ort (natürlich in Absprache mit den jeweiligen Läden) und werden unter einem separaten Account bei Bookcrossing gepflegt, so dass sie jeweils ein eigenes virtuelles Regal haben, anhand dessen man sehen kann, welche Bücher sich derzeit in der OBCZ befinden oder entnommen wurden. Auf diesem virtuellen Regal ist auch meist vermerkt, wen man bei Fragen kontaktieren kann und wann Treffen (”MeetUps”) genau stattfinden an diesem Ort.

Sinn und Zweck einer OBCZ ist vor allem, Leute auf Bookcrossing aufmerksam zu machen und sie ebenfalls von der Idee zu begeistern. Eyecatcher hierbei ist natürlich, dass Leute einfach ein Buch oder mehrere aus der OBCZ entnehmen und mit nach Hause nehmen können. Meist liegen Info-Flyer an einer OBCZ aus, die über Bookcrossing an sich informieren oder den Ablauf grob erläutern, beispielsweise etwas wie “Dies ist ein freies Buch, das du einfach mitnehmen kannst. Bitte logge dich unter www.bookcrossing.com ein oder hinterlasse einen anonymen Kommentar, damit die Reise des Buches verfolgt werden kann. Teile mit, dass du das Buch dem Regal/der Kiste entnommen hast und wenn du magst, schreib später, wie es dir gefallen hat. Und dann … lasse das Buch wieder frei, damit jemand anderes es finden kann.”

Örtliche Treffen, so genannte MeetUps, finden oftmals dort statt, wo sich auch eine OBCZ befindet. Auf die Termine weist vielleicht ein Flyer hin, damit interessierte Nicht-Bookcrosser leicht Kontakt zu Bookcrossern knüpfen können.
Bücher, die bei einem MeetUp mitgebracht wurden, aber nicht von jemand anderem ausgesucht wurden, gehen am Ende eines solchen Treffens oftmals in den OBCZ-Bestand ein.

Eine OBCZ wird von einer Person oder mehreren gepflegt, was bedeutet, dass die pflegenden Bookcrosser in regelmäßigen Abständen (je nachdem, wie frequentiert die OBCZ ist und wie viel Freizeit die Leute dazu haben) alle Bücher der OBCZ sichten. Hierbei werden Bücher, die nicht mehr im Bestand sind, online auf “travelling” gesetzt mit dem Vermerk, dass sie von Unbekannten entnommen wurden, Bookcrossing-Bücher werden der OBCZ zugeordnet, wenn sie neu sind (beispielsweise nach einem o.g. MeetUp) und unregistrierte Bücher werden bei Bookcrossing registriert, mit einem Label versehen und in die OBCZ aufgenommen.

Unregistrierte Bücher finden sich des Öfteren in einer OBCZ. Diese stammen von Leuten, die keine Verwendung mehr für diese Bücher haben oder aber Bücher entnommen haben und im Gegenzug eigene dafür einstellen wollen. Es sind also meist Spenden von Nicht-Bookcrossern.

Auf der deutschen Supportseite gibt es eine Übersicht der OBCZ in Deutschland:
>>>OBCZ im deutschsprachigen Raum<<<

Tatsächlich gibt es mehr OBCZ, als auf der Seite gelistet werden. Beispielsweise die Essener OBCZ im >>>Unperfekthaus<<< am Limbecker Platz in der Essener City taucht in der Liste nicht auf. Das liegt daran, dass die jeweiligen Gründer der OBCZ diese selbst bei der Liste vermelden müssen. Manch einer denkt daran einfach nicht. Es lohnt sich also im Zweifel, auf der offiziellen Bookcrossingseite (www.bookcrossing.com) mit der Funktion “Find Members” auch mal nach OBCZ zu suchen.

Xerpting

Als “exzerpieren” bezeichnet man das Herausschreiben von Text aus einem Buch, ein Exzerpt selbst stellt eine Zusammenfassung eines Textes in bearbeiteter Form dar. Der zu Grunde liegende Text wird gekürzt, zusammengefasst, aber auch um eigene Gedanken und Ideen ergänzt.

Beim Bookcrossing-Xerpting ist es nun so, dass Kopien erster Buchseiten reisen.
Jemand eröffnet ein Xerpting und legt in einen Schnellhefter beispielsweise 20 Kopien. Die Kopien haben in der Regel DIN A 4-Größe und sie beheimaten jeweils die erste Seite eines Romans – wohlgemerkt die erste Seite des Romaninhalts, kein Vorwort oder ähnliches.
Jede Kopie erhält nun einen Code, der aus dem Nickname des jeweiligen Kopieres und einer Zahl besteht. Eine solche Kopie von mir würde also beispielsweise “clawdiewauzi #1″ oder “clawdiewauzi #13″ heißen.

Nachdem genügend Interessenten gefunden wurden, macht sich der Schnellhefter mit allen Startkopien dann auf die Reise zum ersten Teilnehmer, eventuell ergänzt um besondere Regeln. Xerptings folgen allerdings meist nicht solch kreativen Regeln wie Buchboxen, sondern erlauben sogar jedes Genre.

Der erste Teilnehmer liest die 20 ersten Seiten nach Erhalt durch und entscheidet sich für alle, deren Inhalt ihn so angesprochen haben, dass er glaubt, das gesamte Buch lesen zu wollen. Das kann ein einziges Buch sein, aber bis zu 20 sind im genannten Beispiel möglich.

Im Journal des Xerptings schreibt der Teilnehmer nun, für welche Kopien er sich entschieden hat und ebenso, durch welche er diese ersetzt. Entnimmt Teilnehmer “kunigunde” beispielsweise 3 Kopien, so werden fortan auch drei Kopien namens “kunigunde #1″, “kunigunde #2″ und “kunigunde #3″ mit im Schnellhefter reisen.
Als nächstes entnimmt Kunigunde die ausgewählten Kopien aus dem Ordner und ergänzt diesen um die eigenen. Weiterhin schreibt Kunigunde eine Nachricht an die Leute, deren Kopien sie sich ausgesucht hat.
Beispiel:
Kunigunde hat sich für die Kopien “clawdiewauzi #2″, “Willibald #4″ und “Willibald #7″ entschieden. In dem Fall schreibt sie eine Nachricht an clawdiewauzi mit der Bitte um Zusendung des Buches #2 und an Willibald mit der Bitte um Zusendung der Bücher #4 und #7. Natürlich beinhalten beide Nachrichten auch Kunigundes Anschrift, damit klar ist, wohin die Bücher gehen.

Meist hält man im Journal des Xerptings auch seine Eindrücke zu den anderen Kopien, die man sich nicht ausgesucht hat, fest. Vielleicht hat man das Buch erkannt, dann notiert man das (ohne den Titel zu nennen!), vielleicht hält man auch so etwas fest wie “War mir zu langatmig” oder “Scheint Science-Fiction zu sein, das ist nicht so mein Ding” und so weiter.
Wenn nach Abschluss eines Xerptings gelüftet wird, um welche Bücher es sich tatsächlich handelte, kann ein Rückblick auf die eigenen Eindrücke ganz nett bis erheiternd sein.

Der Witz der Sache? Kunigunde erfährt erst, für welche Bücher sie sich entschieden hat, wenn die ausgesuchten Titel in ihrem Briefkasten liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Buch liest, für das man sich bei einem Bummel durch einen Buchladen nie entschieden hätte, ist dabei recht groß.

Ein Xerpting bietet die Möglichkeit, gänzlich frei von Meinungen zu Autoren, Buchtiteln, Covergestaltung, Verlag oder Bekanntheitsgrad eines Buches zu entscheiden und so Büchern eine Chance zu geben, die man sonst übersehen hätte. Vielleicht entpuppt sich ein ausgewähltes Buch letztlich als ein sehr schlechtes mit trügerischem Anfang, vielleicht erweitert man aber auch seinen Horizont, wenn man beispielsweise feststellt, einen “ChickLit”-Roman bekommen zu haben, obwohl man doch “ChickLit” gar nicht leiden kann. Und vielleicht kann man am Ende ja immerhin zugeben: “Gut, also sooo schlecht war das Buch jetzt gar nicht.”

In jedem Fall bieten Xerptings einige Überraschungen und es lohnt sich, zumindest eines (so viele sind ohnehin nicht im Umlauf) mal mitgemacht zu haben.

Boxen

Boxen haben häufig Genre-Themen, aber es gibt auch gänzlich andere Ideen. So gibt es Boxen, in die nur Bücher mit grünem Einband hinein dürfen oder solche, in die man nur Bücher legen soll, die man selbst in einem bestimmten Jahr oder Zeitraum gelesen hat. Es gibt Bücher, die sich auf konkrete Challenges beziehen, etwa Boxen nur mit Titeln von asiatischen Autoren oder von Nobelpreisträgern.
Zuletzt sind Boxen nicht allein auf Bücher begrenzt, sondern es gibt auch Hörbuch- und Hörspielboxen.

Jeder Box liegt immer eine Postkarte oder ein Zettel bei, auf der die BCID (Bookcrossing-ID) der Box selbst vermerkt ist. Hier trägt man im Journal ein, wenn die Box angekommen ist, welche Bücher man entnommen hat und welche zugegeben, welche man vielleicht schnell gelesen, aber in der Box gelassen hat und zuletzt, wann sich die Box auf die Weiterreise gemacht hat.

Schön bei Boxen sind auch häufig zu findende Gimmicks. Beliebt sind verschiedene Teesorten, Naschzeug und diverse Proben (z.B. Kosmetik), viele hinterlassen in der Box auch eine persönliche Postkarte, die an den Starter der Box gerichtet ist und mittels derer man sich noch einmal für die Box und die Teilnahmemöglichkeit bedankt. Ebenfalls recht häufig sind beigelegte Zeitschriften und Kopien von interessanten Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zum Thema. Diese haben dann keine eigene ID und sind auch meist nicht zur Entnahme gedacht, werfen aber noch einmal einen tieferen oder ganz anderen Blick auf das Thema der Box. Das kann durchaus ernsthaft sein (v.a. bei Sachbuchboxen), aber auch humorvoll (z.B. ein paar Witze oder Cartoons).

Hier ein paar Boxen, die ich selbst bislang bei BC gestartet habe. “Ray-Box” meint dabei, dass die Box am Ende nicht wieder zu mir zurück kommt, sondern mit offenem Ende reisen darf und irgendwann, wenn es keine Interessenten mehr für die Box gibt, reist diese an eine OBCZ (Open Bookcrossing Zone). OBCZ sind Regale, Kisten u.ä., die dauerhaft an öffentlichen Orten stehen (z.B. Jugendhaus, Restaurant, Künstlerwerkstatt, Arztpraxis) und von einem Bookcrosser betreut werden. Hier darf sich jeder Mensch Bücher einfach so herausnehmen und so, so hofft man, neugierig auf Bookcrossing als solches werden.
Und nun zu meinen gestarteten Boxen (Auswahl):

  • FantaSci und HistoMa auf Reisen (Ray-Box mit Fantasy-, Science-Fiction-, historischen und “magischen” Romanen)
  • King, Koontz & Pseudonyme (Ray-Box mit Büchern von King, Koontz und deren Pseudonymen)
  • Thrillerkiste Nr. 1-4 (Ray-Box)
  • Kinder- und Jugendbücher (Ray-Box)
  • Ohrengemauschel (Audio-Box)
  • Ohrkiste (Audio-Box)
  • Zwei Ohren – Ohrkiste II (Audio-Box)
  • Mixed-Box reloaded (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
  • clawdiewauzis Rettungskiste (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
  • clawdiewauzis Rettungskiste II (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
  • Restekiste SciFi & Horror (Ray-Box)
  • Spionage, Militär, Politthriller (Box)
  • Thrillerlaune (Box)
  • Fantastisch – Fantasy, Horror, Mystery, SciFi (Box)
  • EDV (Fachbuch-Ray-Box)

Teilgenommen habe ich bisher an (Auswahl):

  • Bücher für Frauen mit Anspruch
  • 100-Seiten-Romane-Novellen-Erzählungen-Box (maximal 100 Seiten Umfang erlaubt)
  • Bücher ausländischer Autoren (BRD, GB ausgenommen)
  • Das fantastische Regiment der Bücher (Fantasy, Mystery, Märchen, Sagen)
  • sillesoerens Hörbuchbox II
  • Die Wunder des Orient (Bücher von orientalischen Autoren)
  • Die Insel-Schatztruhe (Bücher, die mit Inseln zusammenhängen: Bücher, die auf Inseln spielen, Bildbände, Reiseberichte usw.)
  • I shot the sheriff (Krimibox)
  • Willkommen in der EU … Transsylvanien (Vampirbox)
  • Fremdes Leben – Tagebücher und (Auto-)biographien (Box)

Mit ziemlicher Sicherheit habe ich nun in beiden Listen einige Boxen vergessen, aber es ging mir hier ja auch nicht um eine möglichst vollständige Liste, sondern darum, anhand der von mir gestarteten Boxen und denen, an denen ich teilgenommen habe, einmal aufzuzeigen, welche Titel und Themen beispielsweise für Boxen möglich sind. Der Phantasie sind dabei im Grunde natürlich keine Grenzen gesetzt.

Lexi M. B.: Was ist Bookcrossing?

Bookcrossing ist für Leseratten wie mich eine geradezu grandiose Erfindung. Die ursprüngliche Idee basiert darauf, Bücher in die Freiheit zu entlassen, statt sie im Regal vor sich hinstauben zu lassen.

Bei Bookcrossing kann man sich anmelden und dann dort Bücher registrieren. Jedes Buch bekommt dort eine BCID (Bookcrossing ID), mit der es einzigartig ist. Auch wenn zwanzig Leute also beispielsweise denselben Titel mit entsprechend derselben ISBN registrieren, so ist die BCID jedes der zwanzig Bücher doch eine andere.
Diese Bücher verweilen dann im eigenen Shelf (Regal) und können dort entsprechend gefunden werden, und zwar geordnet nach ihrem Status.
PC bedeutet beispielsweise “Permanent Collection” und bezeichnet Bücher, die man behalten und ungern aus der Hand geben will.
Bei TBR sind Bücher “To be read”, also noch zu lesen. Im schlechtesten Fall liegen sie ganz unten auf einem riesigen Stapel der noch zu lesenden Bücher. Den Stapel nennen Bookcrosser MTBR (Mount to be read); in anderen Foren/Communities ist der Begriff SUB (Stapel ungelesener Bücher) geläufig(er).
AVL heißt Available und bezeichnet Bücher, die andere sich jederzeit ausleihen können, manchmal auch Bücher, die ausgewildert werden sollen.
Es gibt noch den Status Reserved für Bücher, die für jemanden oder etwas reserviert sind sowie Traveling für Bücher, die sich auf Reisen befinden. Und eben dieses Reisen bildet den Mittelpunkt beim Bookcrossing.

er möchte, aber er sollte ebenso viele Titel aus seinem Regal ersatzweise dafür in die Box legen. Dann sendet er die Box an den zweiten Teilnehmer und wie beim Ring auch, landet die Box irgendwann dann wieder bei dem, der sie gestartet hat – und im Idealfall findet der Organisator des Ganzen dann ebenso viele Bücher wie zu Anfang vor, aber gänzlich andere.

Es gibt noch viele andere Aktionen bei Bookcrossing. Ich selbst bin seit Januar 2007 dabei und restlos begeistert.

Neugierig geworden?

Dann hier noch mal als Extrawurst:

http://www.bookcrossing.com (offizielle, englischsprachige Seite)

http://www.bookcrossers.de (deutschsprachige Seite)

Lexi M. B.: Katastrophenfilme

Ich muss gestehen: Ich liebe Katastrophenfilme!
Das klingt nun vielleicht etwas seltsam, darum möchte ich gern erklären, was unter Katastrophenfilmen zu verstehen ist und – teils anhand dessen – warum ich sie so gern sehe.

In Katastrophenfilmen geht es immer um ein großes Unglück, das viele Menschen betrifft: um eine Katastrophe eben.

So eine Katastrophe kann aus ganz unterschiedlichen Ecken kommen. Besonders bekannt/beliebt sind Naturkatastrophen, also Erdbeben, Vulkanausbrüche, Stürme und so weiter, es gibt aber auch welche mit anderen Themen, nämlich mit eher technischem Hintergrund (abstürzende Flugzeuge, sinkende Schiffe, einstürzende Gebäude oder Tunnel beispielsweise).
Zudem gibt es noch eine Art Katastrophenfilm, die aber nur bedingt dem klassischen zuzurechnen ist. Das sind Filme über eher abstrakte Katastrophen wie Eiszeit, Kometen- und Meteoritenbedrohungen und atomarer GAU. Diesen Filmen fehlen aber ein paar charakteristische Merkmale des üblichen Katastrophenfilms beziehungsweise es werden untypische Merkmale in den Vordergrund gerückt.

Charakteristisch für einen Katastrophenfilm sind zwei Dinge:

  1. Eine (realistische oder realistisch denkbare) Katastrophe, der der Mensch macht- und hilflos gegenüber steht
  2. Menschen, die von der Katastrophe überrascht werden, sich ihr stellen und durch sie über sich hinaus wachsen, zu Helden werden, das Leben anderer Menschen retten, zugleich jedoch lieb gewonnene Menschen verlieren

Das zeigt auch schon, warum ich Filme über sehr abstrakte Katastrophen nur bedingt zurechne.
In Filmen wie “Armageddon” (Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde), “Deep Impact” (Komet auf Kollisionskurs mit der Erde), “The Day after Tomorrow” (absolute Eiszeit als Folge globaler Erwärmung) und “The Core” (der Erdkern hört auf, sich zu drehen) gibt es zwar jeweils eine Katastrophe, doch die Menschen, die sich der Katastrophe stellen, haben die Wahl getroffen, dies zu tun, hätten jedoch durchaus andere Möglichkeiten gehabt. Zudem steht bei diesen Filmen die Bildgewalt im Sinne des Coolnessfaktors der Beteiligten eher im Vordergrund.
Filme wie “Malevil” und “Die Wolke” hingegen befassen sich ebenfalls mit Katastrophen, doch es fehlen die Menschen, wie ich sie unter Punkt 2 genannt habe. Bei “Malevil” steht das Arrangement mit den Gegebenheiten im Vordergrund (postapokalyptische Science-Fiction also), bei “Die Wolke” ist es der dramatische Effekt, der im Mittelpunkt steht, also das Beschreiben der Gegebenheiten im Fall des Falles.
Filme mit fantastischen Elementen wie außerirdischer Bedrohung, Dinosauriern, Monstern und so weiter fallen allesamt nicht unter die Katastrophenfilme, sondern sind zu den einzelnen fantastischen Genres zu zählen.

Diese Beschreibung zeigt vielleicht auch ein Stück weit einen der Gründe auf, warum “Titanic” mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet von 1997 unter kritischem Beschuss stand. Einerseits lautet das Hauptargument natürlich, der Untergang der Titanic sei eine Tragödie gewesen, die man keinesfalls als Liebesgeschichte darstellen oder auf eine solche reduzieren könne. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Relevanter ist aber, dass dieser Film zwar Punkt 1 (die Katastrophe) erfüllt, nicht aber Punkt 2. Zwar wächst Kate Winslet als Rose über sich hinaus, entwickelt sich, wird von der Katastrophe überrascht und verliert einen lieb gewonnenen Menschen, doch sie wird nicht zur Heldin, rettet niemanden und spielt im Grunde – ohne ihren Jack – keine Rolle bei der sich ereignenden Tragödie.

Jetzt zu einigen Filmen, die als klassische Katastrophenfilme zu bezeichnen sind:

Absolute Klassiker des Genres sind “Die Höllenfahrt der Poseidon” von 1972, “Flammendes Inferno” von 1974 und “Erdbeben” von 1974.
“Die Höllenfahrt der Poseidon” basiert auf einem Roman von Paul Gallico und 2006 gab es auch ein Remake des Films mit Kurt Russell (”Poseidon” – längst nicht so gut wie der Film von 1972!). Katastrophenthema hier ist ein Luxusliner, der von einer Monsterwelle erfasst wird.
“Flammendes Inferno” basiert ebenfalls auf zwei Romanen und thematisiert den Brand eines Hochhauses.
Und “Erdbeben” schließlich befasst sich mit einem solchen im für Katastrophenfilme gern genommenen Los Angeles, gepaart mit Überflutung als Folgeerscheinung.
All diese Filme wurden mit sehr bekannten Schauspielern besetzt (Gene Hackman, Leslie Nielsen, Steve McQueen, Paul Newman, Faye Dunaway, Fred Astaire, Richard Chamberlain, Charlton Heston, Ava Gardner und noch mehr), und all diese Filme wurden mehrfach für den Oscar nominiert und gewannen mindestens einen.

Erst Mitte der Neunziger folgte dann die zweite Popularitätswelle für Katastrophenfilme, wobei vor allem “Twister” (1995), “Daylight” (1996), “Dante’s Peak” (1997) und “Volcano” (1997) erwähnenswert sind.
Daylight” mit Sylvester Stallone behandelt einen Tunneleinsturz, “Dante’s Peak” mit Pierce Brosnan und Linda Hamilton behandeln ebenso wie “Volcano” mit Tommy Lee Jones und Anne Heche einen Vulkanausbruch.
Twister” behandelt Tornados und über diesen Film kann man wieder diskutieren, was seine Zuordnung betrifft. Zwar sind beide eingangs genannten Punkte erfüllt, allerdings beide auch etwas schwammig. Helen Hunt und Bill Paxton jagen Tornados, entscheiden sich also bewusst für die Katastrophenjagd. Die Hilf- und Machtlosigkeit offenbart sich dennoch beiden. Das Retten von Menschen liegt bei diesem Film in der Zukunft (das Entwickeln einer Frühwarnanlage), ist also lediglich eine bestehende Absicht, wohingegen der Verlust geliebter Menschen in der Vergangenheit liegt. Ich nehme mir dennoch einfach mal die Freiheit, auch “Twister” als Katastrophenfilm zu beschreiben.

Über diese sehr bekannten Filme hinaus gibt es noch zahlreiche weitere, die eher unbekannt sind, aber ebenfalls ins Genre passen. Einen davon stelle ich hier auf der Seite in diesem Monat noch vor, nämlich “Supervulkan“. Und vielleicht hat ja jemand von euch auch “Vulkan” gesehen, der kürzlich im TV ausgestrahlt wurde und den Vulkanausbruch in der Eifel thematisiert (mit Yvonne Catterfeld, Matthias Koeberlin und anderen)? Falls nicht: Macht nichts, konnte ihn auch nicht sehen, da ich zu dem Zeitpunkt Nachtdienst hatte. Aber es gibt ihn auch auf DVD (und zwar ganz neu, seit dem 20.10.2009).

Abschließend noch einmal zurück zur Erklärung, was mich persönlich so an Katastrophenfilmen fesselt: Zum Einen ist da vor allem bei Naturkatastrophen diese Demut, die einen erfasst, wenn man einen solchen Film sieht. Welche Macht die Natur hat, über die wir Menschen glauben, weitgehend Herr zu sein, und wie falsch diese Annahme doch letztlich ist! Zum Anderen mag ich die soziale Komponente dieser Filme, diese Menschen, die alles riskieren, um eine Katastrophe abzuwenden, andere Menschen (und auch Tiere) zu retten, und zwar nicht, weil sie dafür viel Geld verdienen, in Hinblick auf eine Auszeichnung oder ähnliches, sondern aus weitgehend selbstlosen Motiven heraus. Das ist etwas, das mir immer wieder zeigt – wenn auch fiktiv -, wieviel im Menschen selbst steckt oder stecken kann und welches Potenzial eine Katastrophe freisetzt. Ich finde es einfach sehr hoffnungsvoll anzunehmen, dass eben nicht jeder wegrennen und seine eigene Haut retten würde, sondern tut, was in seiner Macht steht, um anderen zu helfen. Zwar zeigen zumindest Filme hinsichtlich “offener” Naturkatastrophen immer auch Plünderungswut, auf der anderen Seite gibt es aber immer auch die Leute, die in der Lage sind, sich plötzlich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren und Hand in Hand zu arbeiten.

Lexi M. B.: Booker-Preis

Der Booker-Preis (”Booker Prize”) ist der wichtigste britische Literaturpreis, der auf 50000 Pfund dotiert ist und seit 1969 jährlich vergeben wird. Den Preis gewinnen können Autoren aus Großbritannien, Irland und dem Commonwealth (also aus mehr als fünfzig Staaten).

Ursprünglich verlieh die Firma “Booker plc” diesen Preis, seit 2002 wird der Preis durch die “Booker Prize Foundation” verliehen. Da der Hauptsponsor die “Man Group plc” ist, spricht man auch vom “Man Booker Prize for Fiction” – ist also derselbe Preis.

Die Auswahl der Jury gestaltet sich recht aufwändig, damit auch alles mit rechten Dingen zugeht, und in der Regel treten Jurymitglieder nicht wiederholt auf.
Zunächst wird von der Stiftung ein Beirat berufen, der wiederum die Jury benennt, zu denen Literaturkritiker, Autoren, Literaturwissenschaftler und öffentliche Personen generell zählen können.

Hier mal die Gewinner des Booker-Preises seit 1990:

* 1990 – Antonia Susan Byatt: “Possession”, dt. “Besessen”
* 1991 – Ben Okri: “The Famished Road”, dt. “Die hungrige Straße”
* 1992 – Michael Ondaatje: “The English Patient”, dt. “Der englische Patient” UND Barry Unsworth: “Sacred Hunger”, dt. “Das Sklavenschiff”
* 1993 – Roddy Doyle: “Paddy Clarke Ha Ha Ha”
* 1994 – James Kelman: “How Late it was, How Late”
* 1995 – Pat Barker: “The Ghost Road”, dt. “Die Straße der Geister”
* 1996 – Graham Swift: “Last Orders”, dt. “Letzte Runde”
* 1997 – Arundhati Roy: “The God of Small Things”, dt. “Der Gott der kleinen Dinge”
* 1998 – Ian McEwan: “Amsterdam”
* 1999 – John Maxwell Coetzee: “Disgrace”, dt. “Schande”
* 2000 – Margaret Atwood: “The Blind Assassin”, dt. “Der blinde Mörder”
* 2001 – Peter Carey: “The True History of the Kelly Gang”, dt. “Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang”
* 2002 – Yann Martel: “Life of Pi”, dt. “Schiffbruch mit Tiger”
* 2003 – DBC Pierre: “Vernon God Little”, dt. “Jesus von Texas”
* 2004 – Alan Hollinghurst: “The Line of Beauty”, dt. “Die Schönheitslinie”
* 2005 – John Banville: “The Sea”, dt. “Die See”
* 2006 – Kiran Desai: “The Inheritance of Loss”, dt. “Erbin des verlorenen Landes”
* 2007 – Anne Enright: “The Gathering”, dt. “Das Familientreffen”
* 2008 – Aravind Adiga: “The White Tiger”, dt. “Der weiße Tiger”
* 2009 – Hilary Mantel: “Wolf Hall”

Seit 2005 gibt es übrigens nun auch den “Man Booker International Prize”. Bei diesem Preis (60000 Pfund) ist die Nationalität des Autors unerheblich, wichtig ist lediglich, dass sein Werk in englischer Sprache verfasst wurde. Bei diesem Preis stehen der Autor selbst und sein Gesamtwerk, nicht allein ein Einzeltitel, im Vordergrund.

Bisherige Preisträger:

* 2005 – Ismail Kadare
* 2007 – Chinua Achebe
* 2009 – Alice Munro

So, wenn ihr noch mehr Infos zum Preis haben wollt, schaut doch mal auf die offizielle Webseite
>>>The Man Booker Prize<<<

Lexi M. B.: Deutscher Buchpreis

Der Deutsche Buchpreis wird jedes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse verliehen und zeichnet, wie der Name schon erahnen lässt, den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Vergeben wird der Preis von der Stiftung Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Zugelassen sind entsprechend Titel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit denen sich die Verlage bewerben können (Neuerscheinungen im Verlauf eines Jahres) und die von sieben Juroren auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Juroren werden jährlich neu gewählt. Mehr Details zur Teilnahme könnt ihr >>>hier<<< nachlesen.

Im August wird jeweils eine Longlist veröffentlicht, die 20 Titel umfasst. Aus diesen Titeln werden dann die 6 Titel der Shortlist ermittelt, die im September veröffentlicht wird. Und aus diesen Titeln der Shortlist wird schließlich der Gewinner ermittelt, der zur Frankfurter Buchmesse im Oktober verkündet wird.

Den Deutschen Buchpreis gibt es seit 2005.

Die bisherigen Gewinner:

  • 2005: Arno Geiger, “Es geht uns gut”, (Hanser)
  • 2006: Katharina Hacker, “Die Habenichtse”, (Suhrkamp)
  • 2007: Julia Franck, “Die Mittagsfrau”, (S. Fischer)
  • 2008: Uwe Tellkamp, “Der Turm”, (Suhrkamp)
  • 2009: Kathrin Schmidt, “Du stirbst nicht” (Kiepenheuer & Witsch)

Über Lexi M.B.

Der eine andere andere erinnert sich vielleicht noch an Lexi aus der Serie “Hallo Spencer”? Es liegt ja nahe, den Infobereich eines Buchblogs mit diesem belesenen Wurm zu vergleichen, wobei die Rubrik der Webseite wenig mit der Serienfigur Lexi gemein hat. Auch mit dem hexhermetischen Holzwurm von Kai Meyer hat das Ganze wenig zu tun, wenn man schon bei Würmern ist.

Natürlich könnte man M. B. auch mit M. D. assoziieren – halt “Medical Doctor”, bekannt und beliebt bei der Serie “House M. D.” beispielsweise. Damit hat die Rubrik allerdings auch nicht wirklich was zu tun.

Nachdem nun geklärt ist, was Lexi M. B. nicht ist: Was ist Lexi M. B.?

Lexi M.B. ist die Rubrik “Infotexte”, in der in unregelmäßigen Abständen Erklärungen erfolgen, die etwas mit Medien an sich (M.) oder Bücher im besonderen (B.) zu tun haben. Und da es in dieser Rubrik darum geht, etwas genauer zu betrachten, ein Auge auf ein bestimmtes Thema zu werfen und ähnlich, ist Lexi M. B. in personifizierter Form ein … *trommelwirbel* … Auge.

Die Artikel sind abgesehen von ihrer Kategorienzuordnung und Überschrift später alle an einem entsprechenden Icon zu erkennen, mit dem die Infotexte jeweils versehen sind. Das Icon wurde von Porter erstellt:

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