
Ein paar Features von Bookcrossing erkläre ich an dieser Stelle mal genauer:

OBCZ
OBCZ steht für “Open BookCrossing Zone”, auch “Offizielle Bookcrossing Zone”.
In der Regel handelt es sich hierbei um ein Regal, eine Kiste oder ähnliches an einem öffentlichen Ort, zumeist innerhalb eines Lokals, Jugendtreffs oder ähnlich.
OBCZ befinden sich dauerhaft an einem Ort (natürlich in Absprache mit den jeweiligen Läden) und werden unter einem separaten Account bei Bookcrossing gepflegt, so dass sie jeweils ein eigenes virtuelles Regal haben, anhand dessen man sehen kann, welche Bücher sich derzeit in der OBCZ befinden oder entnommen wurden. Auf diesem virtuellen Regal ist auch meist vermerkt, wen man bei Fragen kontaktieren kann und wann Treffen (”MeetUps”) genau stattfinden an diesem Ort.
Sinn und Zweck einer OBCZ ist vor allem, Leute auf Bookcrossing aufmerksam zu machen und sie ebenfalls von der Idee zu begeistern. Eyecatcher hierbei ist natürlich, dass Leute einfach ein Buch oder mehrere aus der OBCZ entnehmen und mit nach Hause nehmen können. Meist liegen Info-Flyer an einer OBCZ aus, die über Bookcrossing an sich informieren oder den Ablauf grob erläutern, beispielsweise etwas wie “Dies ist ein freies Buch, das du einfach mitnehmen kannst. Bitte logge dich unter www.bookcrossing.com ein oder hinterlasse einen anonymen Kommentar, damit die Reise des Buches verfolgt werden kann. Teile mit, dass du das Buch dem Regal/der Kiste entnommen hast und wenn du magst, schreib später, wie es dir gefallen hat. Und dann … lasse das Buch wieder frei, damit jemand anderes es finden kann.”
Örtliche Treffen, so genannte MeetUps, finden oftmals dort statt, wo sich auch eine OBCZ befindet. Auf die Termine weist vielleicht ein Flyer hin, damit interessierte Nicht-Bookcrosser leicht Kontakt zu Bookcrossern knüpfen können.
Bücher, die bei einem MeetUp mitgebracht wurden, aber nicht von jemand anderem ausgesucht wurden, gehen am Ende eines solchen Treffens oftmals in den OBCZ-Bestand ein.
Eine OBCZ wird von einer Person oder mehreren gepflegt, was bedeutet, dass die pflegenden Bookcrosser in regelmäßigen Abständen (je nachdem, wie frequentiert die OBCZ ist und wie viel Freizeit die Leute dazu haben) alle Bücher der OBCZ sichten. Hierbei werden Bücher, die nicht mehr im Bestand sind, online auf “travelling” gesetzt mit dem Vermerk, dass sie von Unbekannten entnommen wurden, Bookcrossing-Bücher werden der OBCZ zugeordnet, wenn sie neu sind (beispielsweise nach einem o.g. MeetUp) und unregistrierte Bücher werden bei Bookcrossing registriert, mit einem Label versehen und in die OBCZ aufgenommen.
Unregistrierte Bücher finden sich des Öfteren in einer OBCZ. Diese stammen von Leuten, die keine Verwendung mehr für diese Bücher haben oder aber Bücher entnommen haben und im Gegenzug eigene dafür einstellen wollen. Es sind also meist Spenden von Nicht-Bookcrossern.
Auf der deutschen Supportseite gibt es eine Übersicht der OBCZ in Deutschland:
>>>OBCZ im deutschsprachigen Raum<<<
Tatsächlich gibt es mehr OBCZ, als auf der Seite gelistet werden. Beispielsweise die Essener OBCZ im >>>Unperfekthaus<<< am Limbecker Platz in der Essener City taucht in der Liste nicht auf. Das liegt daran, dass die jeweiligen Gründer der OBCZ diese selbst bei der Liste vermelden müssen. Manch einer denkt daran einfach nicht. Es lohnt sich also im Zweifel, auf der offiziellen Bookcrossingseite (www.bookcrossing.com) mit der Funktion “Find Members” auch mal nach OBCZ zu suchen.

Xerpting
Als “exzerpieren” bezeichnet man das Herausschreiben von Text aus einem Buch, ein Exzerpt selbst stellt eine Zusammenfassung eines Textes in bearbeiteter Form dar. Der zu Grunde liegende Text wird gekürzt, zusammengefasst, aber auch um eigene Gedanken und Ideen ergänzt.
Beim Bookcrossing-Xerpting ist es nun so, dass Kopien erster Buchseiten reisen.
Jemand eröffnet ein Xerpting und legt in einen Schnellhefter beispielsweise 20 Kopien. Die Kopien haben in der Regel DIN A 4-Größe und sie beheimaten jeweils die erste Seite eines Romans – wohlgemerkt die erste Seite des Romaninhalts, kein Vorwort oder ähnliches.
Jede Kopie erhält nun einen Code, der aus dem Nickname des jeweiligen Kopieres und einer Zahl besteht. Eine solche Kopie von mir würde also beispielsweise “clawdiewauzi #1″ oder “clawdiewauzi #13″ heißen.
Nachdem genügend Interessenten gefunden wurden, macht sich der Schnellhefter mit allen Startkopien dann auf die Reise zum ersten Teilnehmer, eventuell ergänzt um besondere Regeln. Xerptings folgen allerdings meist nicht solch kreativen Regeln wie Buchboxen, sondern erlauben sogar jedes Genre.
Der erste Teilnehmer liest die 20 ersten Seiten nach Erhalt durch und entscheidet sich für alle, deren Inhalt ihn so angesprochen haben, dass er glaubt, das gesamte Buch lesen zu wollen. Das kann ein einziges Buch sein, aber bis zu 20 sind im genannten Beispiel möglich.
Im Journal des Xerptings schreibt der Teilnehmer nun, für welche Kopien er sich entschieden hat und ebenso, durch welche er diese ersetzt. Entnimmt Teilnehmer “kunigunde” beispielsweise 3 Kopien, so werden fortan auch drei Kopien namens “kunigunde #1″, “kunigunde #2″ und “kunigunde #3″ mit im Schnellhefter reisen.
Als nächstes entnimmt Kunigunde die ausgewählten Kopien aus dem Ordner und ergänzt diesen um die eigenen. Weiterhin schreibt Kunigunde eine Nachricht an die Leute, deren Kopien sie sich ausgesucht hat.
Beispiel:
Kunigunde hat sich für die Kopien “clawdiewauzi #2″, “Willibald #4″ und “Willibald #7″ entschieden. In dem Fall schreibt sie eine Nachricht an clawdiewauzi mit der Bitte um Zusendung des Buches #2 und an Willibald mit der Bitte um Zusendung der Bücher #4 und #7. Natürlich beinhalten beide Nachrichten auch Kunigundes Anschrift, damit klar ist, wohin die Bücher gehen.
Meist hält man im Journal des Xerptings auch seine Eindrücke zu den anderen Kopien, die man sich nicht ausgesucht hat, fest. Vielleicht hat man das Buch erkannt, dann notiert man das (ohne den Titel zu nennen!), vielleicht hält man auch so etwas fest wie “War mir zu langatmig” oder “Scheint Science-Fiction zu sein, das ist nicht so mein Ding” und so weiter.
Wenn nach Abschluss eines Xerptings gelüftet wird, um welche Bücher es sich tatsächlich handelte, kann ein Rückblick auf die eigenen Eindrücke ganz nett bis erheiternd sein.
Der Witz der Sache? Kunigunde erfährt erst, für welche Bücher sie sich entschieden hat, wenn die ausgesuchten Titel in ihrem Briefkasten liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Buch liest, für das man sich bei einem Bummel durch einen Buchladen nie entschieden hätte, ist dabei recht groß.
Ein Xerpting bietet die Möglichkeit, gänzlich frei von Meinungen zu Autoren, Buchtiteln, Covergestaltung, Verlag oder Bekanntheitsgrad eines Buches zu entscheiden und so Büchern eine Chance zu geben, die man sonst übersehen hätte. Vielleicht entpuppt sich ein ausgewähltes Buch letztlich als ein sehr schlechtes mit trügerischem Anfang, vielleicht erweitert man aber auch seinen Horizont, wenn man beispielsweise feststellt, einen “ChickLit”-Roman bekommen zu haben, obwohl man doch “ChickLit” gar nicht leiden kann. Und vielleicht kann man am Ende ja immerhin zugeben: “Gut, also sooo schlecht war das Buch jetzt gar nicht.”
In jedem Fall bieten Xerptings einige Überraschungen und es lohnt sich, zumindest eines (so viele sind ohnehin nicht im Umlauf) mal mitgemacht zu haben.

Boxen
Boxen haben häufig Genre-Themen, aber es gibt auch gänzlich andere Ideen. So gibt es Boxen, in die nur Bücher mit grünem Einband hinein dürfen oder solche, in die man nur Bücher legen soll, die man selbst in einem bestimmten Jahr oder Zeitraum gelesen hat. Es gibt Bücher, die sich auf konkrete Challenges beziehen, etwa Boxen nur mit Titeln von asiatischen Autoren oder von Nobelpreisträgern.
Zuletzt sind Boxen nicht allein auf Bücher begrenzt, sondern es gibt auch Hörbuch- und Hörspielboxen.
Jeder Box liegt immer eine Postkarte oder ein Zettel bei, auf der die BCID (Bookcrossing-ID) der Box selbst vermerkt ist. Hier trägt man im Journal ein, wenn die Box angekommen ist, welche Bücher man entnommen hat und welche zugegeben, welche man vielleicht schnell gelesen, aber in der Box gelassen hat und zuletzt, wann sich die Box auf die Weiterreise gemacht hat.
Schön bei Boxen sind auch häufig zu findende Gimmicks. Beliebt sind verschiedene Teesorten, Naschzeug und diverse Proben (z.B. Kosmetik), viele hinterlassen in der Box auch eine persönliche Postkarte, die an den Starter der Box gerichtet ist und mittels derer man sich noch einmal für die Box und die Teilnahmemöglichkeit bedankt. Ebenfalls recht häufig sind beigelegte Zeitschriften und Kopien von interessanten Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zum Thema. Diese haben dann keine eigene ID und sind auch meist nicht zur Entnahme gedacht, werfen aber noch einmal einen tieferen oder ganz anderen Blick auf das Thema der Box. Das kann durchaus ernsthaft sein (v.a. bei Sachbuchboxen), aber auch humorvoll (z.B. ein paar Witze oder Cartoons).
Hier ein paar Boxen, die ich selbst bislang bei BC gestartet habe. “Ray-Box” meint dabei, dass die Box am Ende nicht wieder zu mir zurück kommt, sondern mit offenem Ende reisen darf und irgendwann, wenn es keine Interessenten mehr für die Box gibt, reist diese an eine OBCZ (Open Bookcrossing Zone). OBCZ sind Regale, Kisten u.ä., die dauerhaft an öffentlichen Orten stehen (z.B. Jugendhaus, Restaurant, Künstlerwerkstatt, Arztpraxis) und von einem Bookcrosser betreut werden. Hier darf sich jeder Mensch Bücher einfach so herausnehmen und so, so hofft man, neugierig auf Bookcrossing als solches werden.
Und nun zu meinen gestarteten Boxen (Auswahl):
- FantaSci und HistoMa auf Reisen (Ray-Box mit Fantasy-, Science-Fiction-, historischen und “magischen” Romanen)
- King, Koontz & Pseudonyme (Ray-Box mit Büchern von King, Koontz und deren Pseudonymen)
- Thrillerkiste Nr. 1-4 (Ray-Box)
- Kinder- und Jugendbücher (Ray-Box)
- Ohrengemauschel (Audio-Box)
- Ohrkiste (Audio-Box)
- Zwei Ohren – Ohrkiste II (Audio-Box)
- Mixed-Box reloaded (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
- clawdiewauzis Rettungskiste (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
- clawdiewauzis Rettungskiste II (Ray-Box ohne bestimmtes Thema)
- Restekiste SciFi & Horror (Ray-Box)
- Spionage, Militär, Politthriller (Box)
- Thrillerlaune (Box)
- Fantastisch – Fantasy, Horror, Mystery, SciFi (Box)
- EDV (Fachbuch-Ray-Box)
Teilgenommen habe ich bisher an (Auswahl):
- Bücher für Frauen mit Anspruch
- 100-Seiten-Romane-Novellen-Erzählungen-Box (maximal 100 Seiten Umfang erlaubt)
- Bücher ausländischer Autoren (BRD, GB ausgenommen)
- Das fantastische Regiment der Bücher (Fantasy, Mystery, Märchen, Sagen)
- sillesoerens Hörbuchbox II
- Die Wunder des Orient (Bücher von orientalischen Autoren)
- Die Insel-Schatztruhe (Bücher, die mit Inseln zusammenhängen: Bücher, die auf Inseln spielen, Bildbände, Reiseberichte usw.)
- I shot the sheriff (Krimibox)
- Willkommen in der EU … Transsylvanien (Vampirbox)
- Fremdes Leben – Tagebücher und (Auto-)biographien (Box)
Mit ziemlicher Sicherheit habe ich nun in beiden Listen einige Boxen vergessen, aber es ging mir hier ja auch nicht um eine möglichst vollständige Liste, sondern darum, anhand der von mir gestarteten Boxen und denen, an denen ich teilgenommen habe, einmal aufzuzeigen, welche Titel und Themen beispielsweise für Boxen möglich sind. Der Phantasie sind dabei im Grunde natürlich keine Grenzen gesetzt.