Eoin Colfer: Meg Finn und die Liste der vier Wünsche

Die 14-jährige Meg versucht zusammen mit ihrem 16-jährigen Partner Belch, bei einem Renter einzubrechen. Dummerweise werden die beiden von dem alten Lowrie erwischt. Viel dümmer ist allerdings, dass sich die beiden kurz darauf in einem Tunnel wiederfinden. Es ist der Tunnel, von dem aus man entweder in den Himmel oder in die Hölle gelangt, denn die beiden sind bei der Explosion eines Gastanks bei dem alten Herrn gestorben.
Belch wandert direkt in die Hölle, Meg jedoch erhält eine zweite Chance. Gut und Böse halten sich bei ihr die Waage und sie wird zurück zur Erde geschickt, um dort ausgerechnet beim alten Lowrie zu beweisen, dass sie es wert ist, in den Himmel zu kommen.
Zunächst stellt sich Meg alles ganz einfach vor. Sie spekuliert darauf, dem Rentner ein wenig bei der Hausarbeit zu helfen und das soll reichen. Lowrie hingegen hat ganz andere Vorstellungen von Megs Aufgaben:
Er hat eine Liste erstellt mit all den Dingen, die er in seinem Leben versäumt oder falsch gemacht hat. Für vier Dinge davon ist es noch nicht zu spät. Diese könnte er mit Megs Hilfe vielleicht noch korrigieren, bevor auch er, der ein schwaches Herz hat, aus dem Leben scheidet.
Und so machen sich die beiden auf, das junge Geistermädchen mit dem frechen Mundwerk und der alte Griesgram, um Lowries Liste der vier Wünsche in der Zeit, die sie beide haben, umzusetzen.
Als wäre das nicht schwer genug, hält der Teufel jedoch nichts davon, Meg an den Himmel zu verlieren und schickt Belch ebenfalls zurück zur Erde, um Megs Absichten, genug gute Taten für den Himmel zu sammeln, zu sabotieren.

Der irische Autor Eoin Colfer ist vor allem durch seine Reihe „Artemis Fowl“ bekannt, und so stellt man sich zunächst die Frage, wie die Geschichte eines Meisterdiebs und hochtechnisierter Elfen mit ausgesprochen eigenem Humor zu einer scheinbar rührenden Geschichte über ein Mädchen passt, das mittels guter Taten in den Himmel kommen will.

Tatsache ist, dass man sich an Meg Finn erst einmal gewöhnen muss. Man ist hin und her gerissen, wenn man von diesem Gör erfährt, die nun wirklich nicht viel Gutes in sich zu haben scheint. Meg hat ein großes Mundwerk, bringt unpassende und unhöfliche Kommentare, ist respektlos und scheint keine Skrupel zu haben, einen alten Mann auszurauben. Selbst nach ihrem Tod gewinnt sie nicht wirklich Sympathien, denn auch die Situation, tot und zwischen Himmel und Hölle zu sein, nimmt sie mit Gleichgültigkeit auf, vielleicht sogar mit einer gewissen Kaltschnäuzigkeit. Sie versucht zu pokern und selbst zurück auf der Erde sucht sie noch immer nach den leichtesten Wegen und ist frei von jeder Reue.
Alles Dinge, die einen sehr irritieren und den Weg in die Geschichte ein wenig schwer gestalten.
Dass Meg sich ändert und aus den beiden unterschiedlichen Charakteren schließlich Freunde werden, hält man zunächst für unmöglich.

Auf der anderen Seite hat der Autor es tatsächlich geschafft, seinen sehr eigenen Humor auch in diese Geschichte einzubinden und auch die Technik findet tatsächlich ihren Platz, wenn auch nicht ganz in dem Maße, wie man es von Artemis Fowl her gewöhnt ist. Beide Punkte bieten für neue Leser oder Hörer vermutlich weitere Irritationen, wer Eoin Colfer aber bereits kennt, wird sich sehr darüber freuen.

Der Autor schafft es tatsächlich, der Geschichte Lebendigkeit zu geben.
Sie ist rührend und ein wenig traurig, ohne kitschig zu werden. Sie ist lustig, ohne lächerlich oder albern zu werden.
Ganz unbemerkt ändert sich die Stimmung. Sie beginnt irritierend, setzt dann viel auf Humor und wird plötzlich recht ernst und regt zum Nachdenken an, um schließlich sehr rührend und gefühlsbetont zu enden.
Eine Gratwanderung, die leicht hätte daneben gehen können, und für die Eoin Colfer sicherlich Achtung verdient. Bedenkt man dann noch, wie gelungen er technische Dinge und seinen sehr eigenen Humor in die Geschichte einwebt, kann man sein Buch mit einem einzigen Wort honorieren: Respekt!

Als Sprecher Rufus Beck einzusetzen, hat sowohl Harry Potter, als auch Artemis Fowl bereits sehr gut getan. Nicht umsonst wird der Mann als Vorleser in den höchsten Tönen gelobt, und auch hier verleihen seine unterschiedlichen Stimmnuancen den Figuren eigenen Charakter und seine Betonungen den gefühlvollen Stellen noch mehr Gefühl und den lustigen Stellen noch mehr Witz.

Meg Finn ist sicherlich keine Geschichte für jüngere Kinder, weil Gut und Böse in diesem Werk nicht allzu deutlich voneinander getrennt werden und zu sehr verwischen.
Für jugendliche Leser und Erwachsene hingegen ist Meg Finn eine tolle Empfehlung. Weil diese Geschichte deutlicher auf Werte und moralische Aspekte eingeht als die Artemis Fowl-Geschichten, hat Meg Finn gerade für Jugendliche vielleicht sogar eine besondere Bedeutung.

Kai Meyer: Die Merle-Trilogie

Der erste Teil hat mir noch gut gefallen, auch wenn ich Schwierigkeiten hatte, mit den einzelnen Figuren so wirklich mitzufiebern. Am meisten konnte mich dabei noch Unke begeistern. Merle fand ich etwas altklug, Junipa ein bisschen zu tragisch-freundlich und so weiter.
Venedig als Schauplatz hat für mich auch nicht so den Zauber wie vielleicht für viele andere. Ich war schon einige Male dort (Urlaub mit den Eltern) und erinnere mich an Venedig eher als eine Stadt voller Tauben(dreck) und Mückenmassen mit vielen grauen und schiefen Dingen.

Dennoch gab es im ersten Teil auch viel Nettes, viele aufgeworfene Fragen und angedeutete Geheimnisse, so dass ich wirklich gern wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht.

Der zweite Teil hatte dann aus meiner Sicht ziemlich viele Längen. Die Darstellung der Hölle fand ich einerseits gelungen, andererseits haben diese Szenen mir persönlich ein bisschen zu viel entmystifiziert, zumal ich gerade an der Hölle als Schauplatz schon im ersten Teil Gefallen gefunden hatte. Gegen Ende wurde es dann doch wieder rasanter und ich hoffte auf einen guten Abschluss der Trilogie im letzten Band.

Und dieser letzte Band hat mich nun leider gar nicht überzeugen können.  In vielen Szenen fand ich die Geschehnisse zu weit hergeholt. Das gelüftete Geheimnis um die fließende Königin hat mich schrecklich enttäuscht. Ich hatte mit etwas “Großem” gerechnet, aber das war mir dann doch zu hanebüchen. Auch die Emotionen waren nicht mehr glaubhaft, weder die von Merle (die für mich ohnehin zunehmend an Glaubwürdigkeit verloren hatte im Verlauf der Geschichte), noch die von Lalapeja, noch die der fließenden Königin, die ich als zunehmend kindisch empfand.

Irgendwie steckte der Wurm in dieser Trilogie und im Nachhinein habe ich mich ernsthaft über den riesigen, internationalen Erfolg des Dreiteilers gewundert. Vielleicht passte da auch einfach zu vieles nicht mit mir persönlich zusammen, kann sein. Venedig, die Hölle … und ich mag durchaus Tragisches und kann permanente Happy Ends nicht leiden, aber bei der Merle-Trilogie war am Ende für mich zu wenig von allem möglichen übrig. Wirklich schade. Also hoffe ich einfach mal darauf, dass das nächste Buch von Kai Meyer mich dann wieder wie gewohnt gut unterhalten und mir gefallen wird.

Eoin Colfer: Cosmo Hill

Eoin Colfer ist zumindest in Deutschland primär wegen seiner Reihe “Artemis Fowl” bekannt. Dabei hat der Autor noch einige Schätze mehr auf Lager.
Ebenfalls sehr empfehlenswert und wieder im fantastischen Bereich angesiedelt ist “Cosmo Hill”, ein All-Age-Roman, der im Februar 2008 als Paperback im List-Verlag erschien:

Cosmo Hill heißt der Protagonist des Buches, und er lebt in – von heute aus gesehen – der Zukunft, in einer Stadt namens Satellite City. Dort entgeht der dem Schicksal als Waisenkind, dem keine allzu hohen Überlebenschancen winken, als ihm mit vierzehn Jahren die Flucht gelingt. Seine Chancen, auf sich gestellt zu überleben, sind eher gering, dann trifft er jedoch auf die Gruppe der Supernaturalisten und erfährt, dass er selbst einer von ihnen ist. Denn nur Supernaturalisten können die blauen Parasiten sehen, die den Menschen ihre Lebenskraft aussagen und deren Vernichtung sich die Supernaturalisten auf die Fahnen geschrieben haben …

Dieser Roman von Eoin Colfer bewegt sich auf vertrautem und dennoch auf neuem Terrain. “Techno-Fantasy” nannte der “Guardian” das Genre, und das passt gut. Technologisches mit Fantasy zu mischen, ist ohnehin etwas, das man leicht mit Eoin Colfer in Verbindung bringt, und die Erwartungshaltung der Leser in dieser Hinsicht wird voll erfüllt. Im Vergleich zur “Artemis Fowl”-Reihe wurden lediglich die klassischen Fantasyelemente durch Science-Fiction, genau genommen Cyberpunk für Jugendliche, ausgetauscht.

Was man vielleicht ein wenig vermisst, das ist der Humor, den man von Colfers Büchern, insbesondere eben „Artemis Fowl“, so kennt. Einige Szenen sind auch bei diesem Roman lustig, aber im Grunde ist es eher ein ernstes Buch, ein anrührendes, aber auch ein hoffnungsvolles. Inhaltlich erinnert es vielmehr an das oben erwähnte „Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“, weist also ein gewisses philosophisches und nachdenklich machendes Potenzial auf.

Bei allen Erwähnungen technischer Details bleibt „Cosmo Hill“ für Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen gut lesbar und verständlich, auf Grund dieser Details und auch hinsichtlich des nachdenklichen und ernsten Szenarios handelt es sich aber definitiv nicht um ein Kinderbuch. Der Protagonist selbst ist vierzehn Jahre alt und in etwa in diesem Alter, vielleicht am ehesten zwischen zwölf und sechzehn, liegt wohl auch die Hauptzielgruppe.

Insgesamt bietet „Cosmo Hill“ kurzweilige, fantastische, lustige und dennoch auch ernste und kritische Unterhaltung, für die manch einer vielleicht zu jung, auf keinen Fall jedoch irgend jemand zu alt ist.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.