Jules Verne: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

1977 veröffentlichte “Europa“ einige Klassiker als Hörspiele, zu einer Zeit, als Kinder und Jugendliche noch primäres Zielpublikum von Hörspielen waren.
Zu den Geschichten zählt auch “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne.

Professor Otto Lidenbrock stößt zufällig in einem Manuskript auf die Nachricht eines Isländers. Nach langwierigen Übersetzungsversuchen stellt sich heraus, dass der Verfasser, ein gewisser Arne Saknussemm, behauptet, einen Weg zum Mittelpunkt der Erde gefunden zu haben.
Voller Tatendrang macht sich der Professor auf den Weg. Im Schlepptau hat er seinen ängstlichen Neffen Axel und in Island engagiert er zudem einen gewissen Hans als Führer der Expedition. Die kleine Expedition findet den in der Nachricht beschriebenen Krater, der in das Erdinnere führen soll, tatsächlich.
Schon nach kurzer Zeit droht die Expedition zu scheitern, als das Team feststellen muss, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben und knapp an Wasservorräten ist, doch dann entdeckt Hans einen Bach, der schließlich zu einem unterirdischen Meer voller prähistorischer und fantastischer Flora und Fauna führt … doch werden die drei Reisenden je wieder die Erdoberfläche erreichen, um den Menschen von ihrer Entdeckung zu berichten?

Der französische Schriftsteller Jules Verne veröffentlichte die Geschichte bereits 1864. Sie wurde mehrfach verfilmt und ist noch heute eine der bekanntesten Erzählungen aus der Feder des Autors.

Das Hörspiel ist auf die wesentlichen Bestandteile der Geschichte beschränkt und orientiert sich dabei vorrangig an der wissenschaftlichen Expedition und der grandiosen Entdeckung, die Otto Lidenbrock in dieser Geschichte macht. Zahlreiche Entdeckungen, die das Forscherteam im Unterirdischen macht, bleiben unerwähnt, ebenso die Konkurrenz der Expedition und weibliche Figuren, wenn man von der Haushälterin des Professors absieht.

Die Charakterdarstellung der Figuren Otto, Axel und Hans ist nicht allzu gut gelungen. Um eine bestimmte Meinung zu suggerieren, wurden die Charaktere ziemlich stark überspitzt, so dass der übervorsichtige Axel zu einer regelrechten Memme, der ungeduldige und vom Wissensdurst angetriebene Otto zu einer eher durchschnittlichen Figur und der Expeditionsführer Hans zu einem “Ja“-Sager wurden, was Kennern von Print- oder Filmfassungen der Geschichte nicht sonderlich gefallen dürfte.

Lob verdient trotzdem die grundsätzliche Sprecherleistung im Rahmen der Möglichkeiten.
Professor Lidenbrock wird von dem deutschen Schauspieler und Synchronsprecher Klaus Schwarzkopf gesprochen, der vor allem als deutsche Stimme von Peter Falk in “Inspektor Columbo“ bekannt ist, aber auch in Einzelfällen William Shatner, Robert Mitchum, Tony Curtis und andere bekannte Schauspieler synchronisierte.
Als Hans, wenn auch in dieser Rolle gnadenlos unterfordert, tritt Lutz Mackensy auf, der Schauspielern wie Al Pacino, Rowan Atkinson, Tim Curry, Patrick Swayze, Gary Oldman und anderen seine Stimme lieh.
Axel wird von Stefan Schwade gesprochen, der bei Europa-Hörspielproduktionen des Öfteren zu finden ist.

Die CD wurde übrigens trotz sonst schlichter optischer Gestaltung des Produkts und der Verpackung in Vinyl-Optik mit dem Druck der Siebziger Jahre-Ausgabe versehen, was eine besondere Augenweide vor allem für ältere Hörer ist, die sich an die Schallplatten von einst, heute kaum noch zu finden, erinnern.

Insgesamt eine im Grunde zu starke Kürzung der Vorlage, obwohl sie sich aufgrund der bestehenden Hauptelemente für einen ersten Einblick eignet. Darüber hinaus vermag dieses Hörspiel allerdings aufgrund der Charakterüberzeichnungen und fehlender Spannung nicht zu überzeugen.

Theophile Gautier: Die liebende Tote

Im Juni 2008 veröffentlichte Titania Medien die 26. Folge aus der Reihe „Gruselkabinett“. Dieses Mal war es die Geschichte „Die liebende Tote“ von Theophile Gautier, die als 57-minütige Hörspielfolge aufbereitet wurde.

Ein junger Mönch hat sich verliebt und vertraut sich dem alten Mönch Romuald an. Trotz dieses Vertrauens fühlt sich der junge Mann unverstanden und glaubt nicht, dass Romuald nachempfinden kann, wie ihm zumute ist. Romuald jedoch überrascht den jungen Mönch mit einer Geschichte, die ganz anderes offenbart:

Am Tag seiner Priesterweihe begegnet Romuald der Frau seines Lebens. Sie vermag nicht zu verhindern, dass Romuald dennoch sein Gelübde ablegt, doch sie verschwindet durch dieses auch längst nicht aus seinem Leben. Romuald trifft sie wieder, als er es am wenigsten erwartet, und durch diese eigenartige und zugleich schicksalhafte Wiederbegegnung entscheidet Romuald sich für die Liebe. Er brennt mit seiner geliebten Clarimonde durch und gibt sich fortan den Ausschweifungen des Lebens hin. Als Clarimonde schließlich erkrankt, muss Romuald jedoch herausfinden, dass nur Blut sie retten kann, und auf eben jenes Blut verzichtete Clarimonde aus Liebe zu Romuald …

„Die liebende Tote“ ist eine klassische „Gothic Novel“, was im Deutschen – etwas unzureichend – üblicherweise mit „Schauermärchen“ übersetzt wird. Der Schauer hierbei ist lediglich subtiler Art, Gruseleffekte treten praktisch gar nicht auf, die Geschichte wird von Romantik und Tragik beherrscht. Besonders tritt hierbei zu Tage, dass auf eine klassische Schwarzweiß-Erzählung verzichtet wurde. Clarimondes Gefühle sind wahrhaft, die des Abtes, der Romuald schließlich auf den „lichten“ Pfad zurückführt, sind es nicht …

Die melancholische Liebesgeschichte wurde sehr professionell in ein Hörspielformat gebracht. Ton und sonstiges Sounds sind sauber und die Sprecher sorgfältig ausgewählt. Die unfreiwillige Komik, die gerade Hörspiele aus dem Grusel- und Horrorsektor der Achtzigerjahre begleitet, fehlt hier völlig.

Die Stimmen, die bei diesem Hörspiel eingesetzt wurden, sind im Audiobereich eher unbekannt und somit unverbraucht, beispielsweise mit Christian Rode, der die Rolle des Abtes Serapion übernahm, treten jedoch auch bekannte Stimmen auf, so auch Torsten Michaelis (beispielsweise deutsche Synchronstimme von Wesley Snipes) .

„Die liebende Tote“ ist eine klassische Schauergeschichte aus dem neunzehnten Jahrhundert, die von Titania Medien gekonnt und mit viel Gefühl ins Hörspielformat gebracht wurde, so dass Flair und Tragik der Geschichte in genau richtigem Maß erhalten bleiben und an den Hörer weitergegeben werden konnten.

Peter Høeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels

Im Januar 2008 veröffentlichte Der Hörverlag eine Hörspielversion von „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“. Peter Høegs Titel erschien als Buch in Dänemark 1993, 1995 dann erstmals in deutscher Sprache. Bei dem Hörspiel auf zwei CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 134 Minuten handelt es sich um eine Produktion des Südwestdeutschen Rundfunks.

Peter ist Schüler des Internats von Biehl. Diese sehr exklusive Schule wählt zeitweise einen Waisen oder ein grundsätzlich nicht für die Schule geeignetes Kind aus und nimmt dieses im Internat auf. Warum sie das tun, ist Peter ein Rätsel, und auch Katharina, mit der er sich anfreundet, ohne dass der Kontakt überhaupt erlaubt wäre, versteht es nicht. Peter und Katharina wollen dieses Geheimnis jedoch ergründen und entwickeln eine Theorie, die auf Zeit basiert. Katharina ist der festen Überzeugung, dass es verschiedene Formen der Zeit gibt und will dies beweisen. Der Schritt, auf diesem Weg auch gleich die wahren Hintergründe von Biehl und seiner Privatschule zu enttarnen, scheint für die beiden nur ein kleiner zu sein.

Dann wird eines Tages der schwer erziehbare August an der Schule aufgenommen, der sehr viel extremere Probleme als Peter und Katharina hat, sich in den Schulalltag einzufinden, und der somit auch dem Schul- und Strafensystem mehr ausgesetzt ist. Wie Eltern nehmen Peter und Katharina den Jungen unter ihre Fittiche und versuchen, ihn vor der Schule und ihren Mechanismen zu schützen.

„Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ ist ein wirklich wichtiges Buch, das man gelesen haben sollte, und wer wenig Zeit und Muße zum Lesen anführt, dem sei das Hörspiel empfohlen. Beim gegebenen Umfang zeigt dieses natürlich deutliche Kürzungen im Vergleich zum mehr als dreihundert Seiten umfassenden Buch, doch ist die Kernhandlung komplett enthalten, ebenso sind ganze Dialoge aus der Vorlage wortgetreu übernommen worden.

Der Titel hat einen sehr ausgeprägten philosophischen wie auch kritischen Anteil, mit dem es sich näher zu beschäftigen lohnt. Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann, sind sehr unterschiedlich. So heißt es, das Buch sei in erster Linie autobiographisch, zumal die Hauptfigur wie der Autor Peter heißt. Die einen sagen, bei diesem Titel gehe es in erster Linie darum, was für eine Machtposition die Zeit und ihre Instrumente im Leben der Menschen einnehmen könne, die nächsten sehen in der Geschichte vor allem eine Kritik an bestimmten Erziehungsmethoden und wieder andere denken, dass die Kinder gegen einen an sich guten Versuch ankämpfen, nämlich den, unterschiedliche Charaktere an einem Ort friedlich nach denselben Regeln leben und sich entwickeln zu lassen, und dass die Hauptfiguren somit falsch liegen in ihrem Tun und sich vielleicht sogar ein wenig wahnhaft verhalten.
Ich denke, jeder sollte da seine eigenen Schlüsse ziehen, zumal alle möglichen ohnehin sinnvolle Gedanken und Diskussionen zum jeweils erkannten Schwerpunkt bergen. Bei der Produktion des Hörspiels scheint man ähnlich gedacht zu haben, denn auch, wenn sich durchaus Schwerpunkte der Produzenten erkennen lassen, lassen sie dem Hörer wie auch das Buch die freie Wahl. Gerade dieser Umstand macht den Titel erst recht zu einem sehr gelungenen, da trotz unvermeidbarer Kürzungen im Rahmen eines Hörspiels die letztliche Entscheidung beim Hörer verbleibt.

Die Sprecher wurden sehr sorgfältig ausgewählt. Gerade die Hauptfiguren Peter (Ludwig Trepte), Katharina (Rosalie Thomass) und August (Nikolas Artajo-Kwasniewski) vermitteln den Ernst ihrer Lage und ihrer Theorien sehr ernsthaft und eindringlich. Hier zeigt sich deutlich die schauspielerische Ausbildung der jungen Sprecher, die wie alle anderen des Hörspiels auch im Audiobereich zudem frische und unverbrauchte Stimmen haben. Bekanntester Sprecher und Schauspieler in „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ ist Peter Fricke, der Direktor Biehl verkörpert.

Die Aufmachung des Titels ist schlicht, und doch enthält er alles, was ein gutes Hörspiel braucht. Ein mehrseitiges Booklet ist im Papp-Case eingeklebt, das die Sprecherliste und einige biografische Daten des Autors und der Hauptsprecher enthält.

„Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ ist eine sehr gelungene Hörspielumsetzung, die es schafft, das Vage in Peter Høegs Roman einzufangen und zu präsentieren, ohne dass sich der Hörer verloren oder schlecht unterhalten fühlt. Gleichzeitig lässt es dem Hörer die freie Wahl, sich einfach nur unterhalten zu lassen oder verschiedene Aspekte des Hörspiels in den Vordergrund zu stellen, um darüber nachzudenken oder mit anderen zu diskutieren.

Andrea Maria Schenkel: Tannöd

“Tannöd” gehört zu den Titeln, um die herum ein ziemlicher Hype entstand, nachdem das Ganze als Buch erschien. Mit Preisen wurde das Werk ebenfalls bereits gesegnet: Deutscher Krimi-Preis, Kategorie National 2007, Friedrich-Glauser-Krimipreis 2007 für das beste Debüt und der Corine 2007 – Internationaler Buchpreis, Kategorie Weltbild Leser.
Nicht schlecht, oder? Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass es sich bei diesem Buch um einen Erstling handelt. Ja, wirklich!

In diesem Artikel geht es aber in erster Linie um die Hörbuch- und die Hörspielumsetzung des Ganzen, weniger im Vergleich als vielmehr nebeneinander gestellt.

Inhalt (natürlich von beiden Varianten):

Gleich zu Anfang wird der Hörer ins Bild gesetzt und erfährt, worum es eigentlich geht: Eine Familie wurde brutal erschlagen, Eltern wie auch Kinder. Wer es war und warum, das wird im Rahmen von „Tannöd“ zu klären versucht.

Das Hörspiel:

Wie auch das Hörbuch ist das Hörspiel bei Hörbuch Hamburg veröffentlicht worden, und zwar mit einer CD Umfang und 71 Minuten Länge.

Ein klassisches Hörspiel ist „Tannöd“ allerdings nicht zu nennen. Selten sind Szenen, in denen kurze Dialoge auftreten; vielmehr wird mit verteilten Rollen gelesen.

Die einzelnen Sprecher, Bewohner desselben Dorfes wie die Opfer, berichten, was sie über die Toten wissen, und so setzt sich nach und nach ein Gesamtbild wie ein Puzzle zusammen.

Besonders authentisch wirken die ins Hörspiel aufgenommenen Szenen, weil die einzelnen Sprecher mehr oder minder intensiven Dialekt sprechen. Das macht die einzelnen Berichte umso authentischer, glaubwürdiger – und zugleich auch bedrohlicher, denn die sich entfaltende Realität ist eine des Klischees dörflichen Lebens. Da werden Geheimnisse bewahrt, Ereignisse untereinander geregelt, und dennoch gibt es natürlich auch den Klatsch und Tratsch, den man innerhalb eines Dorfes erwartet. In diesem Fall jedoch ist das Gehörte keineswegs harmlos, sondern erschreckend. So mancher wusste Dinge, die eigentlich öffentlich zu regeln gewesen wären, die man hätte anzeigen müssen, bei denen man in irgendeiner Form hätte eingreifen sollen. Doch nicht so bei „Tannöd“.

Dass die Erzählenden sich selbst keiner Schuld bewusst sind und teils in einen verschwörerischen Ton verfallen, macht die Geschichte umso erschreckender, vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass „Tannöd“ grundsätzlich auf einer wahren Geschichte beruht, auch wenn Namen und Umstände verändert wurden und es bei der realen Entsprechung auch keine Auflösung des Ganzen gibt.

Auch technische Raffinessen sorgen beim Hörspiel für Gänsehaut. So werden die Lautsprecher mal abwechselnd, mal zugleich angesprochen, was die einzelnen Berichte, vor allem aber die eingebrachten Gebetsszenen, sehr effektiv macht. Zu später Stunde allein gehört, kann die aufgebaute Spannung des Hörspiels durchaus dafür verantwortlich sein, dass man zusammenzuckt oder verstohlen hinter sich blickt …

Das Hörbuch:

Die Hörbuchfassung wurde von Monica Bleibtreu eingelesen und umfasst 3 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 207 Minuten, die im September 2007 bei Hörbuch Hamburg erschien. Im Gegensatz zum Hörspiel, das aus dramaturgischen Gründen gekürzt wurde, handelt es sich beim Hörbuch um eine ungekürzte Fassung.

Das gleichnamige Hörspiel wirkt vor allem deshalb so authentisch, weil verschiedene Sprecher eingesetzt wurden, ebenso Soundeffekte. Diese Merkmale finden sich bei Monica Bleibtreus Lesung natürlich nicht. Dennoch fällt auf, dass die Sprecherin sich große Mühe gegeben hat, den verschiedenen Charakteren auch eigene Akzente zu geben. Ihre Stimmmodulation ist äußerst professionell, gelungen und lässt den Hörer im Verlauf manches Mal fast vergessen, dass es sich hier um eine Lesung und kein Hörspiel handelt.

Auch wenn die technische Aufbereitung des Hörbuchs sich mit der des Hörspiels nicht messen kann, besticht sie durch andere Faktoren. An erster Stelle zu nennen ist hier die Tatsache, dass es sich um eine ungekürzte Lesung handelt, doch auch die Aufmachung des Hörbuchs in stabiler Plastikbox und mit einem kleinen Booklet, das Auskunft über die einzelnen Tracks und die dort auftauchenden Personen, deren Alter und Beruf gibt, sind erwähnenswert.

Abseits der Wege – Unweit

Spätestens seit dem Erfolg der Horror-Hörspielreihe „Gabriel Burns“ steht der Name des Produzenten Volker Sassenberg für anspruchsvolle und hochwertige Hörspiele. Aufgrund dessen – und nicht zuletzt wegen der Werbung im Vorfeld, bei der sich Universal erstaunlich weit aus dem Fenster lehnte – erhielt die neue Hörspielreihe des Produzenten, die sich diesmal im Fantasy-Genre bewegt, zahlreiche Vorschusslorbeeren. Ein Grund mehr, sich „Abseits der Wege – Unweit“ genauer anzuhören.
Erschienen ist diese erste Folge bereits Anfang 2007 und mittlerweile sind weitere vier Folgen erhältlich. Aber nun zur ersten Folge:

Gaston Glück ist Sohn eines Wirtes im Grenzdorf Tiefenhag. Seine gesamte Aufmerksamkeit gilt aktuell dem bevorstehenden großen Rennen, bei dem Gaston gewinnen möchte. Zu diesem Zweck macht er sich mit Freunden auf in den Wald, um für die Zwecke des Rennens einen Gnom zu fangen. Dies gelingt ihm schließlich auch, doch als Gaston in das Dorf zurückkehrt, erwartet ihn dort eine Überraschung: Ein Purpurner Prüfer ist nach Tiefenhag gekommen!
Da sich Tiefenhag abseits der größeren Städte und fernab der Königsstadt befindet, ist das Auftauchen eines Prüfers besonders erschreckend. Was kann in der Umgebung Tiefenhags denn schon geschehen sein oder noch passieren, das gleich Prüfer auf den Plan ruft?
Gaston soll diese unausgesprochene Frage beantwortet werden, denn er soll den Prüfer nach Kaltbrunnen geleiten. Auf diesem Weg erhält Gaston Einblicke in ein Rätsel und gerät mitten in eine Szenerie voller Mystik und Gefahren …

Der Einstieg in die neue Hörspielreihe fällt schwer. So schwer, dass sich durchaus die Frage stellt, ob man das Ganze nicht ein wenig eingängiger hätte gestalten können; wenn schon nicht im Rahmen des Hörspiels selbst, dann vielleicht innerhalb des Booklets.

Wie der Titel dieser Folge, so präsentiert sich auch der Inhalt: Es handelt sich um ein erstes Kapitel, um eine Einleitung, die viele Fragen aufwirft, die (vielleicht) später einmal beantwortet werden. Anders als bei einem Buchkapitel kann der Hörer hier jedoch nicht einfach weiter lesen, sondern er bleibt am Ende der Folge allein mit seinen vielen Fragen und kann lediglich auf deren Beantwortung im Rahmen später erscheinender Kapitel hoffen. Dies fällt umso schwerer, weil die erste Hörspielfolge auch nur verschiedene Handlungsstränge, fremdartige Figuren und Gruppierungen anreißt, ohne diese und ihre Beweggründe jedoch genauer zu erklären oder zu beleuchten. Es wirkt so, als würden alle Fragen auch nicht in einer zweiten oder einer dritten Folge beantwortet, sondern als müsse der Hörer schon mindestens fünf oder sechs Folgen abwarten, um sich wirklich in das Geschehen einzufinden.

An genau dieser Stelle dürfte sich die Hörerschar dann trennen in die, die einfach weiter hören, weil sie daran glauben, dass genau dies der Fall ist sowie in die, die es gleich bei der ersten Folge aufgeben, weil ihnen ein solches Vorgehen zu langatmig erscheint. Und tatsächlich ist die Entscheidung der letztgenannten Hörergruppe verständlich, denn auch, wenn der Kaufpreis der CD in Anbetracht der Qualität der Produktion und auch der Aufmachung wirklich günstig ist, so bleibt am Ende eine CD, die sich nicht wirklich einordnen lässt und schon gar nicht auch nur irgendwie für sich alleine stehen kann.

Die eben angesprochene Aufmachung ist allerdings in der Tat sehr gelungen. Die Musik ist äußert opulent und verfehlt ihre cineastische Wirkung nicht, die Sprecher sind sehr gut gewählt und teils recht bekannt.
So übernahm Timmo Niesner, der Sprecher von Elijah Wood in Jacksons Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, die Rolle des Gaston Glück. Und Niesner ist nicht allein durch „Frodo“ bekannt, nein, schon Noah Nathaway als Atréju lieh er einst seine Stimme in „Die unendliche Geschichte“.
Heinz Ostermann übernimmt in „Abseits der Wege“ die Rolle des Erzählers, der in dieser Serie einen recht hohen Anteil hat. Auch den Schauspieler Ostermann kennen die Hörer bereits aus Hörspielen, vor allem aus der Mystery-Ecke.
Karl Schulz als der Prüfer ist ebenfalls als Schauspieler bekannt und ebenso als Synchronsprecher. Er war unter anderem in den Serien „Caine“ sowie „Gabriel Burns“ zu hören.
Sehr einprägsam ist auch die Stimme von Myrell, die mit dem Prüfer zusammen in Tiefenhag eintrifft. Besonders bekannt ist ihre Stimme von den Rollen der Dharma in „Dharma & Greg“ sowie der Kes in „Star Trek – Voyager“.
Produzent Volker Sassenberg persönlich spricht schließlich den Knorpelgnom Po, der in dieser ersten Folge einigen Raum einnimmt.
Die Nennung dieser Sprecher ist beispielhaft. Hörspielfreunde begegnen hier auch Namen wie Jürgen Kluckert wieder.

Untergebracht sind die golden geprägte CD und deren Booklet in einem besonders stabilen Jewelcase, und schon der Klappentext verweist darauf, dass den Hörer bei diesem Hörspiel viel Mystisches erwartet.

„Abseits der Wege“ deutet ein großes Potenzial an und entführt den Hörer mühelos und hochwertig in eine märchenhafte und zugleich schaurig-schöne Welt. Getrübt wird der Genuss lediglich durch das praktisch unumgängliche Unverständnis im Hinblick auf viele Erwähnungen und Geschehnisse. Gerade im Hinblick auf die langen Abstände zwischen dem Erscheinen der einzelnen Folgen hätte man hier zumindest im Bookletbereich ein wenig kompensieren sollen.

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