Wilfried Witte: Tollkirschen und Quarantäne

Bei diesem Titel würde man wohl eher ein Gartenhandbuch, ein Kräuterbuch oder ähnliches erwarten, weshalb er zwar meine Neugierde weckte, sie sich aber in Grenzen hielt. Anders das Titelbild:

In dieser Optik wirkt “Tollkirschen und Quarantäne” gleich ganz anders, oder?
Und vorgestellt wird es hier einmal, weil ich es klasse fand, aber auch, weil das Thema (man denke an die Schweinegrippe-Nachrichten) mal wieder ein aktuelles ist.

Gerade einmal 125 Seiten umfasst das im September 2008 beim Verlag Wagenbach erschienene Hardcover-Buch des Historikers und Arztes Wilfried Witte zur Spanischen Grippe. Zieht man Anmerkungen und Quellenangaben ab, verbleiben sogar nur noch 101 Seiten. Wer gut im Kopfrechnen ist erkennt schnell, dass damit jede Seite den Leser stolze 17 Cent kostet, erwirbt man das Buch zum Neuverkaufspreis. Ganz schön teuer – aber ehrlich: Es lohnt sich.

Gleich auf der ersten Seite steigt Witte – und mit ihm der Leser – richtig in das Thema ein. Wie ein Thriller liest sich das Ganze, so schon der erste Satz: „Angefangen hat angeblich alles im März 1918 in Kansas/USA.“ Während der Leser sich gemütlich in seinen Lesesessel kuschelt, breitet sich eine wahre Katastrophe vor ihm aus, die durch Aufzeichnungen von Zeitzeugen ergänzten Schilderungen einer Pandemie, einer weltweiten Gefahr, die viele Todesopfer forderte – man schätzt sie auf 50 Millionen, wobei die Dunkelziffer sogar noch höher liegen dürfte.

Witte gelingt es vom ersten Satz an, die Zeit um 1918 und später in Bezug auf die Spanische Grippe wirklich lebendig werden zu lassen. Fachlich versierte Kommentare und Erläuterungen runden das Bild für all jene Leser ab, die mit den verwendeten Begriffen, Ereignissen und Zusammenhängen historisch oder medizinisch nicht so sehr vertraut sind. Doch schulmeisterlich wird es nie, und so liest man sich immer tiefer in die Geschichte der Spanischen Grippe ein, ohne je aus dem Kontext gerissen zu werden.

Sicherlich wird so manche Begebenheit oder Person etwas ausufernd thematisiert, während für manche andere, von denen man vielleicht gern mehr erfahren würde, nur einige Anmerkungen verbleiben, doch das macht nichts. Es geht hier nicht um einzelne Personen, weder um bekannte noch unbekannte. Es geht auch nicht um einzelne Helden der Geschichte, auch wenn Witte mit erstaunlichem Detailreichtum darstellt, welche Maßnahmen wer wann zu welchem Zweck und für wen kreierte, um der Krankheit Herr zu werden. Es geht wirklich um „sie“, um die Grippe höchstpersönlich; um ihre Entwicklung, ihre Tücken, ihre Rückkehr, ihre Entwicklung.

Wer sich nicht sonderlich für historische Ereignisse oder auch Seuchen interessiert, fragt sich an dieser Stelle wahrscheinlich, warum er „Tollkirschen und Quarantäne“ überhaupt lesen sollte, verständlich. Das überaus Spannende an der Spanischen Grippe ist, wie Witte ebenfalls ausführt, dass es sich bei der Spanischen Grippe um einen Influenza-Abkömmling handelt, namentlich um Subtyp A/H1N1. Dieses Detail wird anderen Lesern ebenso wie mir erst einmal nichts sagen, aber wenn Sie erfahren, dass die Vogelgrippe oder auch die aktuelle Schweinegrippe Subtyp A/H5N1 ist, macht es das Ganze schon spannender. Die Spanische Grippe liegt ja schon beinahe ein Jahrhundert zurück, der aktuellste Hype um die Schweinegrippe ist hingegen aktuell.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Vogelgrippe und der Spanischen Grippe? Was ist mit der Schweinepest, und was ist überhaupt eine Zoonose? Auch diesen Fragen geht Witte in seinem Buch auf den Grund und erläutert sie spannend und doch fachlich, verzichtet dabei jedoch auf allzu düstere Visionen und unnötiges Schüren von Panik.

Witte ist es gelungen, ein sehr spannendes und wahnsinnig interessantes Buch zur Spanischen Grippe zu schreiben, das umfassend und gut recherchiert über den Verlauf der Grippe, Hintergründe, Therapieversuche, aber auch über Neben- und Auswirkungen informiert. Eine wahre Goldgrube – was auch die eingangs gestellte Frage hinsichtlich des Kaufpreises mehr als beantworten dürfte.

Wer das Buch nicht für sich selbst kaufen möchte, kann ja ein Exemplar an Paris Hilton versenden. Die wurde neulich  gefragt, ob sie Angst vor der Schweinegrippe habe. Sie antwortete: “Nö, ich esse kein Schweinefleisch.” Ohne Worte.

Beryl Crane: Reflexzonentherapie

Auf 128 Seiten eines Taschenbuches erläutert Autorin Beryl Crane die Grundprinzipien und Methoden der Reflexzonentherapie, mit der Beschwerden gelindert und das Wohlbefinden gesteigert werden kann im Buch “Reflexzonentherapie”.

Das Buch ist in vier größere Kapitel unterteilt.
“Ursprung und Grundlagen“ vermittelt dem Leser Informationen zur Funktionsweise der Reflexzonentherapie, erläutert die Historie dieser Therapie und stellt mögliche Reaktionen auf die Behandlung dar.
Das zweite Kapitel widmet sich konkret der “Fußreflexzonentherapie“. In diesem Kapitel wird beschrieben, wie man Füße und deren Haltung korrekt untersucht, außerdem werden die einfache Fußbehandlung und die Fußpflege beschrieben.
Selbiges bietet das dritte Kapitel im Hinblick auf die “Handreflexzonentherapie“.
Das abschließende Kapitel, “Die nächste Stufe“, gibt dem Leser Informationen zur Behandlung ganzer Körpersysteme sowie häufiger Beschwerden an die Hand und gibt zudem einige Ratschläge in Bezug auf die Behandlung besonders empfindlicher Personen.
Im Anhang befinden sich noch Reflexzonenkarten von Händen und Füßen in verschiedenen Ansichten.

Obwohl das Buch sich grundsätzlich nicht an bestimmte Personengruppen wendet, wird der Leser indirekt immer wieder als Heilpraktiker angesprochen. Dies ist insofern durchaus sinnvoll, dass Reflexzonentherapie nicht ungeschult und aus dem Bauch heraus an anderen Personen durchgeführt werden sollte. Eingangs findet sich darum im Impressum der Hinweis des Verlages, sich an einen Arzt zu wenden, bevor die beschriebenen Übungen durchgeführt werden. Dem Buchumschlag ist jedoch kein Hinweis zu entnehmen, dass es sich um ein Buch für Fachpersonen handle. Viel eher entsteht der Eindruck, das Buch richte sich an jedermann.

Entsprechend der Annahme, dass das Buch sich an jedermann wendet, sind auch die einzelnen Übungen aufgebaut. So werden gemessen am Umfang des Buches zahlreiche Hintergrundinformationen gegeben, die medizinisch geschulte Leser rasch langweilen könnten. Für die Lektüre als unerfahrene Person sind die Informationen wieder nicht im Sinne einer Schulung als ausreichend zu betrachten, um die späteren Behandlungen eigenverantwortlich durchführen zu können.

Lobenswert sind bei diesem Buch vor allem das farbenfrohe Layout und die zahlreichen eingebrachten Farbfotografien, die bestimmte Handpositionen und Griffe im Bild zeigen. Auch die Reflexzonenkarten am Ende des Buches sind sehr hilfreich.

Insgesamt leidet die Qualität des Buches vor allem darunter, dass keine klare Zielgruppe erfasst wurde beziehungsweise die angesprochene Zielgruppe auf dem Buchumschlag sich von der in den Buchtexten unterscheidet. Das Ergebnis ist ein mittelprächtiges Buch zum Thema, das die einen mit vielem langweilt und wenig Neues zu präsentieren hat, während die anderen sich auch nach der Lektüre nicht ausreichend informiert fühlen werden. Über dieses Dilemma mag der Preis ein wenig hinweg trösten, ein besseres Buch ergibt sich dadurch allerdings nicht.

Das große GU Koch- und Backbuch für Diabetiker

Dieses Buch beschreitet den eher neuen Weg in Hinsicht auf Ernährung bei Diabetes mellitus. In erster Linie richtet es sich an Diabetiker des Typs II, also solche, die man früher als „Altersdiabetiker“ bezeichnete.
Hierbei wird von dem Grundsatz ausgegangen, dass sich dieser Typ des Diabetes mellitus meist durch langjährige falsche Ernährung entwickelt, was entsprechende Studien und Erfahrungswerte, auch im Hinblick auf den Begriff „metabolisches Syndrom“, an dem Bewohner aus Industriestaaten zunehmend kranken, auch belegen.
Aus genau diesem Grund setzt dieses Buch auch nicht einfach damit ein, viele Rezepte mit den (veralteten) BE-Angaben (= Broteinheiten) zu präsentieren, sondern bietet einen hohen Mehrwert.

Die ersten 21 Seiten des Buches befassen sich mit den Grundlagen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, wobei die einzelnen Bestandteile (Kohlenhydrate, Fett, Protein) näher beleuchtet werden, allgemeine Richtlinien gegeben werden, auf das Programm „5 am Tag“ (Obst und Gemüse) eingegangen wird, die bekannte Ernährungspyramide mitsamt Abbildung gezeigt und erläutert wird. Auch Ballaststoffe finden eine gesonderte Ausführung, ebenso Alkohol, Süßungsmittel, Vitamine, Mineralstoffe und die Bedeutung unterschiedlicher Aktivitäten, sei es beruflich oder sportlich gesehen.
Das sind eine Menge Themen für 21 Seiten, selbst wenn man das große Format des Buches hierbei berücksichtigt, doch trotzdem das gesamte Buch auch zu Anfang schon reichlich bebildert ist, sind tatsächlich auch sehr viele Informationen vorhanden. Hierbei wird der Leser nicht mit unnötigem Ballast gequält, sondern bekommt kurz und prägnant wichtige Fakten, die dann durch Hinweise und Tipps ergänzt werden.
Dieser Teil ist für jeden, ob nun Diabetiker oder nicht, sehr interessant und hilfreich, achtet aber trotzdem auf die Zielgruppe des Buches, wenn es etwa darum geht, ob alkoholische Getränke anzurechnen sind oder bei der Erläuterung des Glykämischen Index.

Unterteilt nach den Themen Frühstück und Snacks, Salate und Suppen, Gemüse, Fisch, Fleisch und Geflügel, Nudeln, Reis und Co., Süße Hauptmahlzeiten und Desserts, Pikante Bäckereien, Brot und Brötchen, Kuchen und Torten folgen dann über 220 Rezepte.
Die einzelnen Themen haben dabei zwischen 16 und 28 Seiten Raum für sich, die Backwaren sogar 40 Seiten, denn immerhin soll es ein Koch- und Backbuch sein.

Nach dem Titel des Rezeptes folgen Angaben zum Gehalt an Kohlenhydraten, Fetten und Ballaststoffen mit farbigen Punkten. Die Legende zu der Bedeutung der Punkte findet sich am Ende des Buches, wo Mengenangaben wie TL, EL usw. auch nochmals erläutert sind.
Kcal, Eiweiß/Fett/Kohlenhydrate in Gramm und Zubereitungszeit folgen als nächstes, erst dann die Zutaten und die Zubereitung des Gerichtes selbst.
Sehr schön ist, dass bei ungewöhnlichen Zutaten mögliche Kauforte angegeben werden (z.B. Reformhaus, also keine Schleichwerbung für bestimmte Läden!), außerdem gibt es an vielen Stellen Tipps zu Beilagen, zum Austausch einzelner Zutaten usw.
Die Rezepte sind jeweils für 2 Portionen gerechnet, was ebenfalls sehr angenehm ist, da es so kein Problem ist, für mehr Leute hochzurechnen oder für eine Einzelperson einfach zu halbieren. Die Angewohnheit vieler Kochbücher, grundsätzlich von vier Personen auszugehen, was für einen Singlehaushalt sehr viel schwieriger umzurechnen ist (da man nun einmal nicht immer einfach durch 4 teilen kann bei Rezepten), wird hier nicht beibehalten, sondern moderneren Lebensgewohnheiten angepasst, was sehr begrüßenswert ist.

Ich habe mittlerweile etwa die Hälfte aller Rezepte in diesem Buch nachgekocht und muss bemerken, dass diese sehr reichhaltig angegeben sind. Von einer Portion für eine Person wird man hier wirklich richtig satt oder lässt sogar etwas stehen! Das liegt vor allem daran, dass die Gemüseanteile in der Regel sehr hoch sind.
Da ich ja ebenfalls zu den Leuten zähle, die immer wieder mal eine “Diät” ausprobieren, kann ich auch diesbezüglich nur eine Empfehlung für dieses Kochbuch aussprechen, insoweit sich die durchgeführte Diät an den Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) orientiert. Das bedeutet, dass jemand, der etwa nach dem Weight Watchers-Prinzip isst schnell feststellen wird, dass es sich größtenteils um punktearme Mahlzeiten handelt, mit denen die Einhaltung der Fit-Formeln ein Kinderspiel ist. Wer eher generell auf kohlenhyratarme Ernährung Wert legt, wird hingegen eher Schwierigkeiten mit diesem Kochbuch haben.

Mit all diesen positiven Bemerkungen ist es jedoch noch immer nicht getan. Sehr angenehm sind die Photos zu jedem Rezept, die einem das Ganze noch mal schmackhafter machen, die reiche Auswahl, bei der keine Bevorzugung bestimmter Lebensmittel zu erkennen, sondern vielmehr für jeden Geschmack etwas dabei ist, aber auch der am Rückendeckel klebende Kompass „Essen unterwegs“, der herausnehmbar ist und einen tollen Wegbegleiter zu den Themen auswärts essen, reisen, Urlaub und Restaurantbesuche bildet.

Am Ende des Buches schließlich finden sich noch ein Rezeptregister, das nicht nur alphabetisch geordnet ist, sondern bei dem Hauptzutaten auch hervorgehoben wurden, damit man auch Rezepte zu diesen besonders leicht findet. Außerdem findet sich dort noch ein Sachregister und die bereits erwähnten Erklärungen zu Symbolen und Abkürzungen.
Des weiteren erfährt man auf der letzten Seite mehr über die einzelnen Autoren und den Photographen dieses Buches.

Die Rezepte gehen teils je Portion hoch auf bis zu 50g Kohlenhydrate je Person, bei Backwaren natürlich noch mehr, allerdings sind sie trotzdem nicht ungeeignet für dieses Buch, denn anhand der eingehenden Erklärungen zu gesunder Ernährung ist einfach umzusetzen, dass es Verbote in diesem Sinne nicht gibt. Alles ist erlaubt, nur eben in Maßen und mit Verstand.

Ein ausgezeichnetes Buch, das in keiner Küche fehlen sollte – auch nicht in denen von Nicht-Diabetikern. Es bietet neben einer Fülle schmackhafter Rezepte für jeden Geschmack viele Erläuterungen und Tipps zu einer gesunden Ernährung, die nicht nur im Rahmen einer Diabetes-Diät toll sind, sondern auch eine gute Prophylaxe ermöglichen.
Gewöhnungsbedürftig für „alte Diabetes-Hasen“ ist sicherlich die Abkehr von der Einteilung BE hin zu Kohlenhydrat-Portionen, aber daran gewöhnt man sich rasch und bewegt sich damit dann natürlich zugleich auch im aktuelle(re)n Stand der Dinge.
Grandioses Preis-Leistungs-Verhältnis!

Kerstin Rosenberg: Das große Ayurveda-Buch

Ayurveda, die indische Lebenslehre über die Balance von Körper, Seele, Geist und Umwelt, erfreut sich in der westlichen Welt zunehmender Beliebtheit. Das Werk von Kerstin Rosenberg, “Das Große Ayurveda-Buch”, möchte sich aber nicht schlicht in die Masse erscheinender Publikationen zum Thema einreihen, sondern erhebt den Anspruch, ein fundiertes und umfassendes Standardwerk zum Thema in Form eines 204-seitigen Hardcover-Buches zu sein.

Beginnt man mit der Lektüre des Buches, so stellt man rasch fest, dass sich die ayurvedische Lehre nicht mal eben so zwischen Tür und Angel erlernen oder gar verinnerlichen lässt. Die ersten vierzig Seiten des Buches beschäftigen sich ausschließlich mit dem Hintergrundwissen und den fünf Elementen, den Mahabhutas, im Zusammenhang mit dem menschlichen Körper aus ayurvedischer Sicht. Das zweite Buchkapitel intensiviert das Wissen mit der Vorstellung der sieben Konstitutionstypen, der Manasa (bedeutet: der mentalen Konstitution) und den Störungen der Konstitution, genannt Vikriti.
Das dritte Kapitel stellt das Leben mit der ayurvedischen Lehre vor. Hier ist die Rede von täglicher Routine, erholsamem Schlaf, Verhaltensregeln entsprechend der Jahreszeiten, der Anwendung von Yoga, der Nutzung von Ölen und Massagen sowie von Verjüngung und Liebe, die Sexualität und Partnerschaft einschließt.
Hauptsächlich der Ernährung widmet sich das vierte Kapitel, wo sich durchaus Rezepte finden lassen, aber das Erlernen von Grundsätzen wieder im Vordergrund steht: Grundregeln der Ernährung, die sechs Geschmackstypen, den Stoffwechsel ausgleichende und typgerechte Ernährung sind es, über die der Leser in diesem Kapitel etwas lernen kann.
Das letzte Kapitel widmet sich dem Verständnis und der Behandlung von Krankheiten. Auch hier stehen das Hintergrundwissen und das Verständnis ayurvedischer Gesundheitsdefinition im Vordergrund, bevor die Autorin textlich Reinigungstherapien, ayurvedische Pflanzenheilkunde und “Hilfe zur Selbsthilfe“ anbietet.
Ein recht umfassendes Register mit weiterführenden Büchern und Adressen rundet das Werk schließlich ab.

Wie sich schon der Inhaltsangabe entnehmen lässt, handelt es sich bei diesem Buch um keines, das man wie einen Roman durchliest und dann beiseite legt. Es gibt eine Vielzahl von Aspekten zu lernen und zu beachten, wenn man sich mit der ayurvedischen Lehre beschäftigt, woran das Werk Kerstin Rosenbergs keinen Zweifel lässt. Dabei ist die gewählte Sprache für den Laien verständlich und die Zusammenhänge sind erkennbar, auch wenn hier und da Themen zu späteren Zeitpunkten in anderer Form verwirrenderweise erneut aufgegriffen werden.
Die Struktur des Buches ist ansonsten jedoch logisch und angenehm. Fotografien und Zeichnungen sind relativ selten im Buch anzutreffen, dafür begegnet der Leser um so häufiger Tabellen, die verschiedene Zugehörigkeiten, die im Ayurvedischen gelten, anschaulich darstellen.
So schön es jedoch ist, dass die indische Lehre in diesem Buch wirklich sehr umfassend dargestellt wird, so schade ist es zugleich, dass verschiedene Leserzielgruppen recht stark vermischt werden. So berichtet die Autorin beispielsweise auch von medizinischen Therapien im Sinne des Ayurveda, die im häuslichen Bereich nicht empfehlenswert sind und auch unverantwortlich wären, während an anderer Stelle wiederum Rezepte zum vornehmlichen Hausgebrauch zu finden sind. Wohlgemerkt werden bei den heikleren Therapien keine genauen Anleitungen vermittelt und das Buch verfügt über einen Haftungsausschluss, dennoch wäre eine strengere Trennung zwischen Laien und Profis als Leser gelungener gewesen.

Den Anspruch, als Standardwerk fungieren zu wollen, trägt “Das große Ayurveda-Buch“ wohl zu Recht, denn gleich, ob es sich um theoretische Hintergrundinformationen oder um eher praktisch orientierte Hinweise für Laien wie für im ayurvedischen Bereich Tätige handelt: Sie sind in diesem Buch zu finden. Gerade dieses umfassende Wissen macht es unterschiedlichen Zielgruppen jedoch leider etwas schwer, die für sie in erster Linie relevanten Informationen zu finden.

Fitnessküche für das ganze Jahr

“Fit for Fun: Fitnessküche für das ganze Jahr”, ein 256 Seiten umfassendes Hardcover-Buch ist als Kochbuch der etwas anderen Art zu sehen.

Nach der Einleitung, die dem Leser aufschlüsselt, wie das Buch aufgebaut wurde und wie einzelne Tabellen oder Zusatzangaben zu sehen und zu werten sind, folgt eine Doppelseite mit Einkauftipps, bei denen vor allem auf besondere optisch erkennbare Mängel hingewiesen wird, aber auch auf gesetzliche Vorschriften und andere Aspekte, die beim Einkauf von Fleisch, Fisch, Geflügel, Eiern, aber auch Obst und Gemüse, wichtig sind, um gute Qualität zu erhalten.
Danach folgt eine Übersicht über Vitamine und Mineralstoffe, deren Wirkung, ihr hoher Gehalt in bestimmten Lebensmitteln und eine Auswahl von Zielgruppen, für die das Vitamin oder der Mineralstoff besonders wichtig ist.

Nach einer Schnellübersicht über alle enthaltenen Rezepte und ihre zusätzlichen Angaben Fett, Kalorien, schnelle, günstige und “schlanke” Rezepte, eingeteilt nach den einzelnen Monaten, beginnt der Rezeptteil dann auch sogleich mit dem Januar.
Zu jedem Monat des Jahres ist zunächst eine Doppelseite eingefügt worden, die die zehn “Fitmacher des Monats” vorstellt, wobei es sich um bestimmte saisonale Obst- und Gemüsesorten ebenso handeln kann wie um bestimmte Fleisch- oder Fischsorten. Hierbei ist bei jedem Nahrungsmittel zunächst eine Vorstellung zu lesen, dann Einkauftipps wie bereits allgemein gehalten schon im Einleitungsteil (siehe oben), aber auch die beste Aufbewahrungsmöglichkeit, Haltbarkeit und besonderer Vitamin- und Mineralstoffgehalt.
Zusätzlich finden sich auf dieser Doppelseite auch einige zusätzliche Tipps wie etwa den “Fitness-Tipp des Monats”, der in der Regel sportliche Vorschläge macht, jedoch sind auch Hinweise zum selbstständigen Einlegen von Gemüse und ähnliches enthalten.

Es folgen die Rezepte des Monats. Hierbei werden zunächst die Salate, dann die Vorspeisen, die Hauptgerichte und abschließend Desserts genannt, also eine übliche Aufteilung, die niemanden verwundern oder irritieren dürfte.
Jedes Gericht ist bebildert, die Angaben zweispaltig gehalten, sodass die Zutaten, die positiverweise allesamt für zwei Personen berechnet sind, in der äußeren Spalte zu finden sind, Zubereitung und weitere Angaben hingegen in schrittweiser Anleitung in der inneren.
Zu jedem Rezept wurde ein “Fitness-Check” eingefügt, der graphisch darstellt, ob das jeweilige Gericht sich besonders für Denker, Aktive oder zum Immunschutz eignet. Außerdem sind hier die Angaben zu Kalorien und Fettgehalt genannt sowie eine Skala eingebunden, in der angekreuzt ist, wenn das Gericht besonders einfach, schnell, günstig oder vitaminreich ist.
Am Ende eines jeden Monats werden noch “Figur-Joker” vorgestellt, wobei es sich um einen Essensplan für zwei Tage morgens, mittags und abends handelt. In der Regel liegen diese Tagespläne bei 1200kcal und 30-50g Fett, zudem sind weitere Boni durch vielfach verwendete Vitaminspeicher oder ähnliches stichwortartig aufgeführt.

Den Abschluss des Buches bilden neben dem alphabetischen Register ein Küchenlexikon von A-Z sowie eine bebilderte Doppelseite, die, aufgeteilt in “ein Muss” und “hilfreich”, Küchengeräte und Accessoires auflistet, die zum Nachkochen der Rezepte, aber auch generell, benötigt werden.

Das Buch irritiert in seiner Aufmachung zunächst, weil die einzelnen Informationen der Eingangsinformationen mit verschiedensten Farben und Kästen boxenförmig angelegt wurden und sehr reich bebildert sind, was leicht zu dem Gefühl führt, überflutet zu werden.
Die Sprache des Buches ist betont jung/jugendlich gehalten, was vor allem diese Zielgruppe ansprechen dürfte. Ebenfalls positiv ist zu bemerken, dass Wert darauf gelegt wurde, dass die Rezepte einfach sind und auch die Umgebung, also Zutaten und Vitamine, leicht verständlich eingefügt wurden. Im Grunde sind keinerlei Vorkenntnisse zum Thema ausgewogener und gesunder Ernährung nötig und der Leser wird auch nicht zusätzlich mit Informationen versorgt, über die er vielleicht gar nicht verfügen möchte.
Auch insgesamt richtet sich das Buch in erster Linie an junge Leute mit vielleicht erstem eigenen Haushalt, wie die vielen Erklärungen zum Einkauf oder die bebilderte Beschreibung von Küchengeräten zeigen.

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, besonders für junge Leute, aber auch für jung Geliebene. Alle Rezepte machen einen sinnvollen und ausgewogenen Eindruck, zudem sind selten besondere Nahrungsmittel erforderlich und durch die Verwendung des Saisonkalenders sind die Rezepte auch insgesamt als erschwinglich zu betrachten.
Einzig das Layout gerade zu Anfang ist nicht so gelungen und verwirrt deutlich, ebenso finden sich gerade da auch einige Satz- und Rechtschreibfehler.

Sabine Wackers: Basenfasten – Das große Kochbuch

Von Übersäuerung liest man immer wieder, und ebenso hört und liest man, dass man sich mit basischen Lebensmitteln ernähren sollte und Säurebildner besser aus der Ernährung streichen oder vorsichtig dosieren sollte.
Problematisch dabei ist nur, dass man nach weiterführenden Informationen länger suchen muss. Entweder man weiß, was basische Lebensmittel sind, man vermutet – womöglich völlig verkehrt -, was basische und was säurebildende Lebensmittel sind, man recherchiert danach … oder man kauft sich ein Buch zum Thema.
Zum Thema Übersäuerung und basische Ernährung habe ich selbst in den letzten Jahren einige Bücher gelesen, und leider fand ich sie in der Regel weder logisch, noch fundiert. Vor allem werden sie teuer verkauft, und das meist ganz ohne entsprechenden Nährwert – auch eine Diätvariante.

Anders sieht es allerdings mit “Basenfasten: Das große Kochbuch”
von Sabine Wacker aus.

Etwa 50 Seiten lang informiert dieses Taschenbuch zum Thema Basenfasten, bevor es mit den Rezepten losgeht. Diese wurden aufgeteilt nach Frühstück, kalten Kleinigkeiten, warmen Hauptgerichten und Essen für Gäste. 140 Seiten werden insgesamt für alles benötigt.
140 Seiten, 119 Rezepte, knappe 15 Euro – das ist fair.

Nun muss man natürlich nicht gleich Basenfasten, um sich über basische Lebensmittel und ihre Wirkung zu informieren. Der theoretische Teil von Wackers Buch bietet also auch einen hohen Informationsgehalt über das Fasten hinaus.
Tatsächlich haben mein Mann und ich mit Hilfe dieses Buches das Basenfasten ausprobiert und sind uns einig, dass dieses Buch dafür völlig ausreichend ist. Zwar sind noch mehr Titel speziell zu diesem Thema auf dem Markt, auch von derselben Autorin, aber mehr als dieses hier braucht man eigentlich nicht.

In Wackers Buch lernt man beispielsweise, dass Milch zu den Säurebildnern gehört, Zitronen hingegen okay sind.
Hier und da ist das Buch dann doch ein wenig abgehoben, wie ich zugeben muss, denn beispielsweise die wiederholte Werbung für ein bestimmtes Mineralwasser stößt einem – trotz des basischen Themas – eher sauer auf.
Davon abgesehen ist das Buch jedoch gut les- und verwendbar.

Größtes Problem beim Basenfasten ist im Grunde das Frühstück. Wer es gewohnt ist, reichhaltig mit Brot, Brötchen oder Müsli zu frühstücken, steht beim Basenfasten dumm da, denn beides sind nicht erlaubte Lebensmittel.
Im Buch findet sich aber für Probleme wie dieses eine Lösung: Abgesehen von vielen Rezepten zu Säften und Co. empfiehlt Wacker beispielsweise Erdmandelflocken als Müsliersatz. Die habe ich mir glatt bestellt und festgestellt: Ein toller Ersatz und sehr lecker!

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man beim Basenfasten nicht hungert und auch, dass sich tatsächlich eine Auswirkung bemerken lässt. Ich habe in dieser Fastenzeit deutlich besser geschlafen und hatte mit Sodbrennen beispielsweise keine Probleme. Durchgehalten habe ich allerdings auch nur acht Tage, aus dem einfachen Grund, dass ich dann keine Kartoffeln mehr sehen konnte. Die sind nämlich die einzige klassische “Beilage”, die erlaubt ist.
Ich fasse zusammen: Kein Brot, keine Brötchen, kein Müsli, kein Fleisch, kein Fisch, keine Nudeln, kein Reis …

Was neben den Rezepten und die Inspiration durch sie sowie neben den ausführlichen, gut nachvollziehbaren Erläuterungen besonders überzeugt ist, dass man sich nicht nur durch die Lektüre informieren kann, sondern auch auf Wackers Webseite www.basenfasten.de. Wer sich also nicht ganz sicher ist, ob diese Fastenform etwas für ihn ist, kann sich zunächst dort informieren, bevor er sich das Buch anschafft.
Ich finds prima.

Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

Dieser witzig gedachte Titel von Dr. med. Eckart von Hirschhausen, der im April 2008 erschien, ist nach wie vor in aller Munde. Ein Bestseller, absolut, alle Welt kennt den Titel und feiert den Humor des Ganzen.

Tatsächlich hätte mich persönlich, die Kabarett toll findet, aber ansonsten wenig übrig hat für “gedruckten Humor” jeder Art, das stutzig machen sollen. Vielleicht hätte zumindest die Buchfront mit ihrem imaginären Button “Ohne Vorwort von Harald Schmidt” mich warnen sollen. Vielleicht hätte mir auch zu denken geben können, dass Denis Schenk in Bezug auf dieses Buch zuallererst einen Vergleich mit Prilblumen anstellt.

Wie dem auch sei: Ich habe mich nicht warnen lassen und das Buch tatsächlich gekauft. Was für eine Verschwendung von Geld und Lebenszeit, die man zum Lesen aufbringt (auch wenn ich nicht mal bis zum Ende des Buches vorgedrungen bin). Banale Witze, banale Witzbildchen, banale Vergleiche – und schon gar nicht alles unter medizinisches Kabarett zu fassen.

Und mehr gibt es dazu meinerseits tatsächlich auch nicht zu sagen.

Berndt Rieger: Traditionelle europäische Medizin

Viele Europäer der heutigen Zeit wissen durchaus, ob sie eher ein Vata- oder ein Pitta-Typ sind, eher Yin oder Yang und sind teilweise sogar vertraut mit Yoga oder Duftbehandlungen. Doch europäische Medizin – was soll das sein?

Auf 272 Seiten zeigt Berndt Rieger mit dem Hardcover-Buch “Traditionelle Europäische Medizin”, dass man durchaus auch von der Existenz einer traditionellen europäischen Medizin sprechen kann, stellt sie dar und ruft sie in Erinnerung.

Die knapp fünfzig Seiten umfassende Einleitung führt den Leser langsam an das Thema heran. Zunächst ist es die Medizin von Hexen oder besser “Kräuterhexen”, die als eine Säule der europäischen Medizin kurz vorgestellt wird, dann die andere Säule der Mönchsmedizin. Dass beide lange Zeit unvereinbar waren, liegt auf der Hand, doch der Autor zeigt, wie gut sie sich im Grunde ergänzen und somit zu einem Ganzen werden.
Als nächstes wird andere bekannte traditionelle Medizin wie die der Chinesen oder Tibeter skizziert und zur europäischen Medizin in Vergleich gesetzt.
Die nächste einleitende Stufe besteht darin, dem Leser aufzuzeigen, dass auch Tiere um den Nutzen von Heilpflanzen wissen und wie man selbst auch ohne größere botanische Kenntnisse, die heute eh kaum noch jemand hat, mit Mitteln der Natur kleineren Unpässlichkeiten und Beschwerden entgegen treten kann.

Das nächste Kapitel befasst sich explizit mit der Mönchsmedizin und stellt neben dem Lorscher Arzneibuch etwa die Säftelehre Galens, die vier Elemente und Konstitutionen (Phlegmatiker, Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker), aber auch Meditation in der Mönchsmedizin und den Sonderfall Hildegard von Bingen vor, die Mönchs- und Hexenmedizin miteinander verband und der Anklage durch die Kirche dadurch entging, dass sie ihr notiertes Wissen als von Gott eingegebene Visionen darlegte.

Das letzte Kapitel stellt das Wesen der Hexe, ihre Tätigkeiten und ihre Mittel vor, berichtet von Liebestränken und Rauschdrogen ebenso wie von Empfängnisverhütung, Festen und Ritualen. Auch Paracelsus und die wichtigsten Arzneien aus der Hexenwelt werden in diesem Kapitel behandelt.
Ein umfassendes Behandlungsregister von Akne bis zu Zahnschmerzen mit anwendbaren Rezepten auf über sechzig Seiten, weiterführende Literatur und Adressen bilden den Abschluss des Buches.

Was im Grunde auf der Hand liegt und bewusst sein sollte, nämlich die Existenz einer traditionellen europäischen Medizin, ist kaum bekannt und noch weniger anerkannt in heutiger Zeit.
Anschaulich und teils spannend wie ein Roman zu lesen berichtet Rieger aus längst vergessenen Zeiten und von lang ignorierten Behandlungsmöglichkeiten. Hierbei nimmt zunehmend auch der Vergleich zur Schulmedizin einen gewissen Raum ein und es wird Kritik an selbiger geübt. Es geht allerdings keineswegs darum, die eine Medizin durch die andere zu ersetzen, sondern vielmehr fordert der Autor dazu auf, den traditionellen Methoden wieder mehr Raum zu geben und sie teuren pharmazeutischen Behandlungen aus isolierten Pflanzenstoffen und der beliebten Apparatemedizin vorzuziehen. “Mit Kanonen auf Spatzen schießen” ist wohl ein Ausdruck, der den Vorwurf an die Schulmedizin in diesem Buch ganz gut umschreibt – und dem kann man eigentlich nur zustimmen.

Interessant sind auch konkrete Vergleiche und Beispiele zu lesen. Da wird dem Leben in der Schulmedizin die Funktion einer Blackbox gegeben, an schulmedizinische Ursprünge – nämlich das Handwerk – erinnert und nicht ganz ohne Augenzwinkern, aber durchaus mit Ernsthaftigkeit, werden frühere Hexentreffen mit heutigen Heilpraktikerausbildungen verglichen.

Bereichert wird das Buch um eine Vielzahl Schwarz-Weiß-Zeichnungen und am Seitenrand ist der Inhalt der jeweiligen Textstelle auch noch mal in Schlagworten wiedergegeben, was ein Auffinden von Textstellen erleichtert.

Ein insgesamt ausgesprochen lesenswertes Buch, das man gern liest, leicht nachvollziehen kann und eine Menge Informationen bereit hält. Es bietet ein rundes Angebot an einführenden Erläuterungen aus Historie und heutiger Zeit für den Laien und wertvolle Tipps für medizinisch Tätige – und zwar letztlich für naturheilkundlich Interessierte ebenso wie für solche, die eher der Schulmedizin zugetan sind.
Für ein “Standardwerk” der traditionellen europäischen Medizin ist das Buch nicht umfassend und detailliert genug, doch 270 Seiten legen trotzdem den Grundstein dazu.

Tine Wittler: Einsatz in 4 Wänden

Nachdem ich vorhin nun ein “Putzbuch” vorgestellt habe und bei euch zu Hause demnach sicherlich schon alles blinkt und glänzt, leite ich mal galant über zu einem “Dekorierbuch”.

Die meisten Leute kennen die hellblonde Moderatorin (und auch Autorin) bereits: Tine Wittler. Auf 140 Seiten eines Softcover-Buches erklärt Tine Wittler nun auch Lesern, wie sie ihr Heim wohnlicher gestalten können.

Den Anfang macht die Küchengestaltung mitsamt Essplatz, wobei besonders auf kleine Küchen eingegangen wird. Kombinationen aus Arbeits- und Essbereich sowie die Einrichtung eines Arbeitsblocks in der Küche finden in diesem Kapitel jedoch ebenfalls Platz.
Das zweite Kapitel widmet sich dem Schlafzimmer. Hier steht das Problem fehlenden Stauraumes vor allem bei Dachschrägen im Zentrum, doch auch eine vernünftige Ausleuchtung des Raumes und eine Kombination aus Arbeits- und Schlafbereich mit genügend Abstand zwischen diesen beiden Themen wird dargestellt. Zu guter Letzt findet sich in diesem Kapitel auch die Realisierung eines orientalischen Schlafgemachs.
Multifunktionszimmer sind Thema des dritten Kapitels. Ob nun Arbeits- und Wohnbereich, Schlaf- und Wohnbereich oder sogar eine Kombination von Schlaf-, Wohn- und Esszimmer zugleich: Tine Wittler setzt solcherlei in diesem Kapitel um.
Im vierten Kapitel dreht sich alles um das Wohnzimmer. In diesem Teil geht es weniger um große Umgestaltungen, sondern vielmehr um kleine Tipps wie das Nutzen von Fensternischen, das Verstecken von Heizkörpern und – auch in diesem Bereich wieder – um das Ausnutzen des Raumes zur Gewinnung von Stauflächen.
Das letzte Kapitel thematisiert Kinder- und Jugendzimmer. Verschiedene Gestaltungen mit Hochbetten sind hier zu finden, jedoch auch komplette Themengestaltungen wie ein Retro-Zimmer für eine Jugendliche und der Kindertraum in Rosa.

Das Buch ist insgesamt sehr gut strukturiert. Zunächst wird die vorherige Situation dargestellt und mit Fotos verdeutlicht, dann folgen die vorgenommenen Arbeitsschritte und schließlich Fotos des Endergebnisses mit Erläuterungen zu dem, was man offensichtlich auf den Fotos präsentiert bekommt und dem zusätzlichen Nutzen, der sich nicht immer sogleich erschließt.
Angereichert sind alle Themen zudem mit einigen Arbeitsfotos, Exkursen und farbig abgesetzten Balken mit Variationen des Themas, um den Inhalt des Buches für eine breitere Lesermasse interessant zu machen.

Wer Tine Wittlers Sendung und ihren Stil mag, wird auch das Buch vermutlich gern zur Hand nehmen. Wie bei der Sendung ist der Geschmack der Moderatorin stets erkennbar und findet sich im neuen Mobiliar des Raumes wieder. Natürlich sind Variationen aber immer möglich.
Störend wirkt in jedem Fall die in den Text eingeflossene Werbung. Immer wieder wird auf die TV-Serie verwiesen, was noch nachvollziehbar ist, doch auch Tine Wittlers Bar in Hamburg wird des Öfteren in den Text eingebunden, was letztlich ein leicht aufdringliches Bild vermittelt.

Wer handwerklich nicht geschickt oder erfahren ist, kann sich in diesem Buch zudem nur Anregungen holen, muss diese dann aber durch das mühsame Sammeln von Erfahrungen umsetzen oder jemanden damit beauftragen, denn Arbeitsschritte werden kaum vorgestellt. Zwar sind Materialen meist genannt und die Grundtätigkeit (zum Beispiel “verschrauben“) ebenso, alles weitere muss der Leser dann allerdings selbst herausfinden.

“Einsatz in 4 Wänden“ ist vor allem für Fans der Serie interessant und für Menschen, die sich eher unterhalten lassen wollen und nach kleineren Anregungen suchen. Für wirklich große Umbrüche im eigenen Heim ist dieses Buch kein geeigneter Ratgeber, da die meisten Arbeitsschritte nicht beschrieben werden, sondern mehr Wert auf Atmosphäre der Umgestaltung gelegt wird. Hinzu kommt relativ aufdringliche Werbung für die Moderatorin und Autorin Tine Wittler, die das Tüpfelchen auf dem I ist, das Buch lediglich als durchschnittliches Werk bezeichnen zu können.

Home Basics

Wenn es trist und/oder kalt ist draußen, kann man sich den Tag zur Not ja mit Hausarbeit vertreiben, nicht wahr? Doch … wie eigentlich?

Home Basics” von Brigitta Hügel ist 2001 im Falken-Verlag erschienen und findet sich etwa seither auch in meinem Bücherregal. Ich hab es mir damals gekauft, um meinen Haushalt mal “so richtig” in den Griff zu kriegen und schaue heute manchmal noch hinein, wenn auch eher aus nostalgischen Gründen. Aber 2010 ist auf dieser Webseite ja “Kamellejahr”, also passt es gut, dieses Sachbuch mal vorzustellen.

Auf der Buchrückseite findet sich zunächst eine kurze Einleitung, für wen das Buch im besonderen geschrieben wurde (junge Männer und Frauen um die Volljährigkeit, die das Hotel Mama verlassen wollen oder es kürzlich taten nämlich) und es wird beschrieben, was das Buch bietet und Beispiele genannt, was man nach der Lektüre alles gelernt haben wird. Nach einem kleinen Absatz wird die Autorin als Berufsberaterin für Abiturienten und Hochschüler vorgestellt, im übrigen die einzige Stelle, in der etwas über sie gesagt wird (abgesehen von der Ich-Perspektive des gesamten Buches).

Nach diversen Vorworten und Einleitungen (5 an der Zahl über 18 Buchseiten) geht es dann weiter mit folgenden Kapiteln:

  • Den Haushalt in den Griff bekommen (Liste für Minimalisten, Wie man aufräumt und putzt, Küchenreinigung, Badezimmer, Fenster putzen, Wäsche waschen, bügeln, Fleckenapotheke, Kleiderpflege, Koffer packen)
  • Umgang mit Geld (Haushaltsbuch, Budgetberechnung, Notfalltipps)
  • Vom Topf zum Menü (Küchengeräte, Hygiene in der Küche, Planung in der Küche, Vorräte, Kochen)
  • Notfälle und allerlei Hilfsmittel (Erste Hilfe, Hausapotheke, “Wundermittel”),

dann folgen Schlusswort, Textnachweis und Register (wieder 5 Seiten).

Im gesamten Buch hat jede Textseite eine Leerspalte, in der wichtige Stichworte zum aktuellen Text festgehalten werden, die aber auch Raum für eigene Notizen lassen. Die Einleitung zu einem der vier großen Kapitel nimmt je zwei Seiten in Anspruch, dabei eine passende Zeichnung auf der linken und die Überschrift dick prangernd auf der rechten Seite.
Der Text wird durch auffällige Aufzählungszeichen, Fettdruck, gezeichnete Spickzettel, gezeichnete Abbildungen oder auch Zitate aus diversesten Quellen aufgelockert und unterstützt.

Die Autorin hat das gesamte Buch aus der Ich-Perspektive verfasst und zudem kumpelhaft geschrieben, um sich beim Leser “beliebt” zu machen. So tritt sie zwar als mittlerweile seriöse Hausfrau auf, erinnert aber immer wieder an eigene Pannen, Mängel und Unlust, wirkt damit dem Leser sehr nah, ergo: Zielsetzung diesbezüglich erfüllt. Ebenso stellt sie sich nicht mit erhobenen Zeigefinger und schon gar nicht als allwissend da, greift sie doch auf Tipps aus Frauenzeitschriften und diversen anderen Quellen zurück. Zu diesen sonstigen Quellen gehören im übrigen auch Auszüge aus irgendwelchen literarischen Werken, in denen eine böse Schwiegermutter mit weißem Handschuh über Simse fährt – ob da noch Seiten zu füllen waren?

Werden beim Buchdeckel als Adressaten für dieses Buch Männer und Frauen in Klammern dahinter angeführt, zeigt sich im Buch selbst doch ein deutlich anderes Bild. Natürlich sind alle Ansprachen an den männlichen Leser gerichtet, das jedoch halte ich nach wie vor für üblich und bringt wohl nur eher radikalere Menschen auf die Palme. Ständige Erwähnungen von Dates mit Freundinnen, Saufgelagen mit Freunden und wie stolz Mama auf ihren Sprössling sein wird, wenn ER auf dieses Buch hört machen klar, dass sich das Buch aber eigentlich nur an Männer richtet und interessierte Frauen halt mehr “von außen” mitlesen müssen.
Ein weiteres Manko des Buches ist, dass es einige Dinge gibt, von denen Frau Hügel derart begeistert ist, dass sie sie spätestens auf jeder dritten Seite irgendwie einbinden muss. Bestes Beispiel dafür wäre ein gewisses Aufsteckset für Staubsauger von Miele, was man unbedingt haben sollte … es ist einfach prima und absolut unersetzlich, um Bücher abzusaugen …

Das erste Kapitel umfasst 62 Seiten und ist in 10 Unterkapitel unterteilt. Da es hier um die grundlegenden Dinge eines Haushalts geht, ist dies das an sich wichtigste Kapitel des Buches. Der Lerngehalt hier ist für echte Einsteiger wirklich sehr hoch und es gibt eine Menge Tipps und Tricks, die leicht, billig und effektiv im Alltag umgesetzt werden können. Selbst die Frage, wie zur Hölle ein Knopf angenäht wird, wird hier beantwortet. Überflüssig dagegen die abschließenden 4 (!) Seiten über das Koffer packen. Abgesehen vom Umfang ist zumindest dies jedem nun wirklich geläufig, sei es von Klassen- oder Ferienfahrten, schließlich wird man auch bis zum achtzehnten Lebensjahr ja nicht im Reagenzglas gehalten.

Das zweite Kapitel umfasst 30 Seiten und 3 Unterkapitel und dreht sich um das leidige Thema Geld. Auch dieses Kapitel ist sehr informativ und lebensnah, zudem werden Dinge wie Haushaltsbuch und Einkaufszettelführung auch bildlich verdeutlicht. Wer es danach nicht kapiert hat, der kapiert es nie. Auch die Spartipps sind sehr gut eingebracht und richten sich nach alltäglichen Themen wie Luxus, Unterhaltungsgüter und ähnliches, aber auch Lebensmittel, Reisen und Restaurantbesuche werden besprochen, so dass auch hier der erhobene Zeigefinger weggelassen und dem Leser selbst überlassen wird, woran er nun letztlich sparen will. Spartipps statt Knausertipps also – gelungen!

Das dritte Kapitel umfasst 36 Seiten und 5 Unterkapitel und dreht sich rund um die Küche. Hygiene wird hier angesprochen und der Gebrauch von so simplen Dingen wie Geschirrspültüchern, aber auch eine Vorstellung gängiger Küchengeräte, Kräuter, Mengen und Maße und häufige Gemüse finden hier Erwähnung. Unter “Einfache Dinge, die man wissen muss” finden sich allerdings allein zwei Seiten über das Kochen und Zubereiten von Eiern. Allein neun Seiten bieten dann Kochrezepte, die im Rahmen eines Haushaltsbuches wohl als überflüssig anzusehen sind.

Das letzte Kapitel bietet auf zehn Seiten und drei Unterkapiteln alles rund um die Gesundheit. Wer wirklich nicht weiß, dass ein Fieberthermometer oder Pflasterstreifen im Haushalt Sinn machen und schon immer Omas gesammeltes Wissen zu Hausmittelchen kennen wollte, der mag dieses Kapitel sinnvoll finden. Hier gibt es auch Tipps wie den halbseitigen, die Rufnummern von Polizei, Feuerwehr und Co. auf zwei Karteikarten (eine neben das Telefon, eine an die Pinnwand) anzubringen.

Fazit: Ein hilfreiches Buch für Leute, die einen ersten eigenen Haushalt oder Schwierigkeiten mit solchem haben. Der Stil ist in der Tat besonders für Schüler der Oberstufe oder Studenten geeignet, nutzt er doch in diesem Bereich typische Dinge wie Pinnwandbilder, Notizspalte, Zitate und deren Erläuterung, Texthervorhebungen, Aufzählungen und ähnliches, zudem richtet es sich besonders an männliche Leser.
Von den 160 Seiten des Buches gehen allein 26 volle Seiten aus gestalterischen Gründen verloren, durch auflockernde Zeichnungen geschätzte weitere 10-15 volle Seiten, des weiteren wird der eigentliche Kerninhalt durch in die Länge gezogene oder überflüssige Kapitel um weitere ca. 20 Seiten geschmälert.
Was bleibt, sind ca. 100 Seiten eines wirklich sinnvollen, leicht verständlichen und hilfreichen Buches für die vorgenannten Adressaten.

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