
Val McDermid ist eine schottische Krimiautorin, die mittlerweile mit drei Buchserien Erfolge feiert. Eine dieser drei Serien ist es, auf deren Basis „Wire in the Blood“, die TV-Serie, entstand, die im Deutschen eigentlich „Hautnah – Die Methode Hill“ heißt. Die ersten beiden Folgen der TV-Serie basieren direkt auf Titeln Val McDermids.
Die ersten drei Folgen erschienen im Februar 2007 als Mini-Box bei Epix, mittlerweile sind auch die zweite und dritte Staffel erhältlich.
Folge 1: Das Lied der Sirenen (The Mermaids Singing):
Polizistin Carol Jordan bittet den umstrittenen Psychologen Tony Hill auf eigene Faust bei den Ermittlungen gegen einen Mörder um Hilfe. Hill ist nicht sonderlich beliebt, weil er ein mit sich selbst sprechender und allzu ehrlich und frei heraus denkender Mann ist, vor allem aber, weil er regelmäßig Straftäter in der Psychiatrie und im Gefängnis besucht und über Jahre hinweg weiter betreut, eine Beziehung zu ihnen aufsucht und sich sogar von ihnen berühren lässt. Seine Art, mit der er Psychopathen besser verstehen können will, stößt nicht gerade auf Verständnis, auch wenn ihm bisherige Erfolge Recht geben.
Im aktuellen Fall geht es um ermordete Männer. Kaum ist Hill in den Fall einbezogen worden, stirbt ein dritter Mann: ein Polizist. Nur unwillig akzeptiert die Polizei Hills klare Annahme, dass es sich um einen Serientäter handelt und die Emotionalität, die mit der Ermordung des Polizisten in das Revier Einzug hält, ist nicht gerade förderlich für die Ermittlungen.
Hill gibt Hinweise, erstellt ein Profil, denn als Profiler ist er schließlich bekannt, allerdings scheinen manche Aspekte der Morde keinen Sinn zu ergeben. Hill gibt nicht auf, doch wird er die Lücken schließen können, bevor es weitere Opfer gibt?
Folge 2: Schlussblende (Shadows Rising):
Eine Mädchenleiche wird in einem See gefunden. Wieder wird Tony Hill zu den Ermittlungen hinzugezogen, wobei es zunächst nicht so aussieht, als könne er in diesem Fall weiterhelfen. Dies ändert sich jedoch rasch, als eine weitere Leiche entdeckt wird und sich das Profil eines Serienkillers herauskristallisiert. Doch was treibt diesen Mörder an und natürlich vor allem: Wer ist er?
Parallel zu diesen Entwicklungen befassen sich Carol Jordan und Tony Hill mit einem Stalker, der Amanda Vance, den weiblichen Part eines bekannten TV-Moderatorenehepaars, verfolgt. Auch hier spitzt die Lage sich empfindlich zu, als es auch hier zu Todesfällen kommt, bei denen Amandas Hund nur das erste Opfer ist …
Folge 1: Mein ist die Rache (Justice Painted Blind):
Als seine junge Frau tot in einem Waldstück aufgefunden wird, erinnert die Art des Todes in manchen Details empfindlich an einen mehrere Jahre zurückliegenden Mord an einem elfjährigen Mädchen. So zögert man nicht, Tony Hill zu den Ermittlungen hinzuzuziehen, um den Fall möglichst rasch lösen zu können. Die Polizei sieht sich unter einem großen Druck, denn der Angeklagte im Mordfall des jungen Mädchens wurde damals frei gesprochen, wogegen sich die Öffentlichkeit empört hatte. Als nun mit der Toten im Wald ein scheinbar ähnlicher Mordfall bekannt wird, gehen die Menschen davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt: um den Mann, der schon vor Jahren nach Meinung der Öffentlichkeit fälschlich als unschuldig entlassen wurde.
Die Begeisterung von Lesern und Fernsehzuschauern an Krimiserien ist ungebrochen, aber schon lange sind dabei Serien besonders gefragt, die auf eine besondere Weise an die Thematik herangehen. Ein erfolgreiches Beispiel für solch eine Serie ist „CSI“ (von der ich ebenfalls Fan bin bzw. von CSI: Las Vegas), bei der durch akribische Untersuchungen schließlich Mörder gefunden werden, doch auch die Profiler-Komponente erfreut sich wachsender Beliebtheit, so dass ein Protagonist wie Tony Hill offene Türen beim Publikum einrennt.
Obwohl die Serie also vordergründig zunächst einmal mit dem Trendwasser fährt, weist sie spezifische Elemente auf: Hills Eigenarten, die schon für sich genommen psychisch auffällig wirken, wenig auf Menschen des üblichen Umfelds ausgerichtet sind, und durch seine Methoden, etwa das Nachstellen von Opferszenen mit der eigenen Person, Selbstgespräche und Zwiegespräche mit den Mördern, Rollenspiele und derlei, wirkt Tony Hill wahrhaft außergewöhnlich. Dabei ist das, was dem Zuschauer als exotisch präsentiert wird, keinesfalls so seltsam, wie es wohl auf die meisten wirkt, sondern vieles wird im Alltag von Psychologen, Psychiatern, Pädagogen und anderen durchaus angewendet, eingesetzt und geübt.
Dennoch: Gerade der Charakter Tony Hills ist es, der bei dieser Serie unwahrscheinlich fesselnd wirkt.
Dargestellt wird der kauzige Psychologe von Robson Green, und dies auf eine durchweg authentisch wirkende Art und Weise. Green verkörpert alles für diesen Charakter Nötige sehr professionell und wirkt obendrein nicht nur auf Kollegin Carol Jordan, ebenfalls lebendig gespielt von Hermione Norris, auf eine besondere Art attraktiv.
Wer Krimiserien mag und sich dort auch für „Exoten“ interessiert, für Psychologen, Profiler und eben auch Serienkiller, der ist mit „Hautnah – Die Methode Hill“ oder eben „Wire in the Blood“ sehr gut beraten und kann sich rundum gut unterhalten fühlen. Der des Öfteren angestellte Vergleich zur Serie „Für alle Fälle Fitz“ hinkt jedoch, denn Fitz und Hill verkörpern völlig unterschiedliche Menschentypen, arbeiten völlig unterschiedlich und aus gänzlich verschiedenen Motivationen heraus, außerdem können die Folgen von „Wire in the Blood“ auch gut für sich allein stehen, während in „Für alle Fälle Fitz“ viel Privates, das sich im ständigen Wechselspiel befindet, eine größere Rolle einnimmt.
Man hat sich bei „Wire in the Blood“ nicht nur erfolgreich darum bemüht, dass die einzelnen Episoden für sich stehen können, sondern jede Folge weist zudem unterschiedliche Effekte auf, so dass es gelingt, den Zuschauer auch abseits der vorgestellten Handlung zu überraschen. Besonders gelungen zeigt sich dies in der dritten Folge, in der wiederholt laut eingehämmerte Buchstaben auf einer Schreibmaschine sowie Zeichnungen des – unbekannten und noch zu ermittelnden – Mörders eingeblendet werden.
Bei der DVD-Box wären mehr Extras als Biografien auf Texttafeln und den üblichen Trailern wünschenswert gewesen, auch wenn die drei Folgen mit knapp dreißig Euro für etwa 285 Minuten Laufzeit zu einem fairen Preis zu haben sind.